Coldiron

Third Gaze

Seductive Secret

Drachengedanken



*~ Moments ~*

*~ Lifeplay - Playlife ~*

*~ Dancing in the rain ~*

Coldiron

Er beobachtete den Garou beim Aufwachen, und der hellgrüne Blick glitt über das massige Bündel aus stählernen Muskeln, über die sich dichter, schwarzer Pelz spannte. In aller Ruhe tastete er jede Einzelheit an diesem Körper ab, streifte über den nassen, dunklen Nasenspiegel, die narbigen Lefzen, unter denen die Fangzähne hervorlugten, den breiten Nasenrücken. Weiter ging es zu den Augen, die einen schmalen Spalt breit geöffnet waren, über die schartigen Ohren zu dem mächtigen Nacken, in dem das Fell lang und dicht war. Eine unmerkliche Unregelmäßigkeit im anhaltenden, sich hebenden und senkenden Rhythmus des gewaltigen Brustkorbes machte deutlich, dass er zu sich kam... nicht mehr lange, und die dunklen, sichelförmigen Klauen würden zu zucken beginnen, Sehnen und Muskeln würden sich spannen, sobald sie den Griff der Ketten bemerkten, die den Crinos aufgespannt an Ort und Stelle hielten.
Spezialketten.

Der Atem des Schwarzen wurde wieder ruhig und gleichmäßig - trügerisch. Im nächsten Moment warf sich der Crinos in die Ketten, die Augen plötzlich aufgerissen und die Zähne gefletscht. Ein dumpfes, bedrohliches Grollen entstieg seiner Kehle, als er vergeblich an seinen Fesseln ruckelte und offenbar gerade feststellte, dass er sich weder mit einer Gabe noch mit einem Wechsel ins Umbra retten konnte.

Der Junge von damals stand vor ihm, doch es war lange her, seit er ein kleiner Junge gewesen war. Mittlerweile war er zu einem jugendlichen Mann herangewachsen, dessen Auftreten bereits bezeichnend war für alles, was noch in ferner Zukunft lag.
Die Andeutung eines Lächelns legte sich um seine Lippen, doch der Ausdruck in seinen Augen blieb kalt und ohne Regung.
"Schön, dich nach so langer Zeit wieder zu sehen."
Der Schwarze schmälerte die Augen, die in einem hellen Gelb vor sich hinglühten. Er schwieg eine Weile lang, ehe er ein knappes "Wer auch immer du bist, ich kenne dich nicht, Jungchen", knurrte.
"Hm... Vielleicht muss ich dir auf die Sprünge helfen." Der Widerschein des Feuers legte sich auf den matten Schimmer der gebogenen Klinge, über deren Schneide er sacht mit einem Daumen strich. Dann trat er zu dem Crinos hinzu und fuhr ihm mit geschmeidigen Fingern durch den Brustpelz. Ein anhaltendes Grollen begleitete die Berührung, doch der Schwarze war im Moment denkbar wenig in der Lage dazu, dem ganzen Einhalt zu gebieten.
Als das Häutungsmesser einen ersten, ausreichend tiefen Schnitt durch Fell und Haut zog, wurde das Grollen zu einem Aufbrüllen, als das Silber das Fleisch des Crinos zum Zischen und Dampfen brachte.
"Du hast uns damals zu den Tänzern geschickt... und was soll ich sagen. Ich erhielt die Gelegenheit dazu, ein paar nützliche Dinge von ihnen zu lernen."
Er zog die Klinge nach einem ersten Schnitt wieder zurück, sodass der Schwarze von einem Knurren unterlegt etwas nach Luft schnappen konnte. Der gelbe Blick bohrte sich in die hellgrünen Augen, und langsam zeichnete sich Erkennen darin ab.
"Drake..."
Seine Erkenntnis wurde von einem weiteren, kaum erkennbaren Lächeln belohnt.
"Simon für dich", korrigierte er. "Entspann dich."
raindancer am 12.4.07 09:51


"Warum?? Warum kannst du nicht sein, was wir längst gebraucht hätten?? Kümmerliche Ausgeburt einer fehlgegangenen Nacht, selbst deine Schwester hat mehr des Wolfsgesichtes in sich als du!!"
Der Schlag war so wuchtig, dass der Junge gegen die Wand prallte und anschließend zu Boden ging, die über ihm empor ragende, übermächtige Gestalt des Vaters über sich, die bereits erneut ausholte, um einen Tritt folgen zu lassen.
Er ließ die Prügel beinahe geduldig über sich ergehen- und vollkommen lautlos.
Er wusste, seine einzige Chance bestand darin, Stärke zu zeigen... denn auch, wenn seinen Vater die Unbeugsamtkeit noch weiter reizte, so war es doch auch eine Sache, die er zu schätzen wusste.
Genau genommen die einzige, die er an seinem jüngsten Sohn schätzte.
Und der Junge wusste auch, welche Gedanken der Vater hinter all den Vorwürfen hegte, die er stets auf ihn hernieder hageln ließ wie eine knotige Peitsche.
Warum, warum nur war mein Blut ein weiteres Mal zu schwach, um vollkommene Früchte zu tragen?


Die dicht bewaldete Bergkette wirkte wie eine zu Stein erstarrte, lauernde Kreatur, deren Buckel sich nun über das Land spannte und mit langfingrigen Ausläufern nach ihm griff. Die paar Hütten am Fuße der Berge waren kaum Dorf zu nennen, nicht einmal Siedlung. Und sie waren so abgelegen, dass wohl kaum jemand von ihnen wusste... abgesehen von jenen, die im Wald hausten und deren Stimmen beinahe jede Nacht Geschichten zu erzählen hatten, die in langgezogenem Heulen zum Mond empor stiegen.
Der Junge wusste, dass der Ort, an dem die Werwölfe heulten, Caern genannt wurde... und sehr zu seinem Leidwesen war es ihm untersagt worden, diese Bereiche des Waldes zu erkunden. Als er es doch einmal versucht hatte, war ein schwarzer Alptraum zwischen den Bäumen hervor gebrochen und hatte ihn mit Klauen und Fängen gelehrt, was mit jenen geschieht, die zu neugierig sind- und sich vielmehr nicht an eine Order zu halten wissen.
Er würde die Lektion niemals mehr vergessen, die sein Vater bei seiner Rückkehr noch vervollständigte- er strafte ihn nicht, weil er sich dem Verbot widersetzt hatte, nein. Das hatte der Schwarze bereits getan. Doch wie immer strafte er ihn dafür, dass er nicht einer von ihnen war, diesen Werwölfen... sondern nur jemand, der dieses Blut in sich trug.

Ja, könnte er nur einer von ihnen sein. Der Vater, die Familie hätte endlich einen Grund, stolz zu sein... und vielleicht wäre dann alles anders gekommen, als es letztlich kommen musste. Denn die wenigen Werwölfe-
(nicht Werwölfe, Garou... Garou hießen sie)
- sahen sich mit einer Bedrohung konfrontiert, der sie in ihrer geringen Zahl nicht Herr werden konnten... und so gerieten die Bewohner des Dorfes, ihre schwächeren Blutsverwandten, in ihre Pläne.


An jenem Abend beehrte seltener Besuch die fünfköpfige Familie. Der stattliche Mann brachte eine beklemmende Aura von Düsternis mit sich, und der Blick aus den hellen, durchdringenden Augen war wie geschärfter Stahl, der einem bis zu den Knochen drang. Er wirkte weder ungepflegt mit den halblangen, rabenschwarzen Haaren, noch sonderlich wild- doch befremdlich, als trüge er ein zweites Gesicht unter seinem offensichtlichen, ein Gesicht des Zornes, der sich als unterschwellige Drohung in seine Ausstrahlung legte.
Der Junge war fasziniert von der bloßen Erscheinung des Schwarzen- und enttäuscht, als die Eltern ihre Sprösslinge in ihre Zimmer schickten.
Natürlich gehorchte er nicht, sondern versteckte sich gerade noch in Hörweite unter der hölzernen Treppe.
"Ihr wisst, dass wir zum Handeln gezwungen sind", eröffnete die rauhe und tiefe Stimme des Schwarzen ohne weitere Umschweife. Es folgte ein kurzes Schweigen, bevor die hörbar um Beherrschung ringende Stimme des Vaters etwas knapp ein "Und das heißt für uns" entgegnete.
"Ihr werdet mit ihnen gehen- als Preis für die Sicherheit des Caerns und Entgelt für den, der schmerzlich in unseren Reihen vermisst wird."
"Aber die Kinder-!" Ein schwacher Einwurf der Mutter, abgeschnitten von den trügerisch beruhigenden Worten des Schwarzen.
"Sei unbesorgt, Frau. Meinst du, wir würden euch tatsächlich dieser verseuchten Brut überlassen? Bei meiner Ehre, ich schwöre euch, ihr werdet nicht lange dort bleiben müssen. Wir werden euch so rasch es uns möglich ist wieder zurückholen. Doch vorerst müssen wir ihren Bedingungen nachgeben... und die dadurch entstehende Zeit nutzen, um unsere Grenzen zu stärken."

Sie debattierten noch eine Weile über Dinge, die der Junge nicht so recht verstand- nur eines verstand er. Man wollte sie irgend jemandem ausliefern, und der Gedanke gefiel ihm ganz und gar nicht. Der Schwarze mochte faszinierend sein, doch er war niemand, dem er großartiges Vertrauen schenken würde...


Der Junge dachte an die vielsagenden Blicke seiner Eltern, die angstgeweiteten Augen der Geschwister, als er sich an jenen Abend zurück erinnerte, während er zitternd, zerschlagen und beinahe am Ende seiner Kräfte in dieser Grube hockte, in die sie ihn geworfen hatten.
Sie, mit denen sie mitgehen hatten müssen.
Sie, die sie verdorben waren und den Vater langsam und über Tage hinweg von ihren entstellten Welpen auffressen ließen.
Sie, die der Mutter unaussprechliche Dinge angetan hatten, bevor sie in Stücke gerissen wurde.
Sie, die noch immer darauf warteten, dass er vielleicht doch in seinem rasenden Hunger essen würde, was bei ihm in der Grube lag. Ein paar Stücke seiner Schwester und seines Bruders.
Der Schwarze hatte geschworen, die Familie würde nicht lange an diesem Ort sein- allerdings, denn nun war sie bis auf den Jungen tot. Alles andere war Lüge gewesen, und der Junge wusste, würde er überleben, so würden solche Dinge eines Tages nicht mehr geschehen können, niemals mehr.

Dafür würde er zu sorgen wissen.
raindancer am 9.2.06 11:41


Er drehte das Stück Papier in den Händen, das er einst aufgrund einer der zahllosen Visionen geschrieben, doch niemals gebraucht hatte.
Ein einziges Mal war seine Voraussicht fehl gegangen, und er war froh darum.

Die gestochen scharfe, schwungvolle Handschrift zog sich Zeile um Zeile über das erinnerungsträchtige Blatt.

"Ich weiß keine angebrachte Anrede, so muss es wohl ohne gehen. Ich hätte dir so vieles zu sagen gehabt, doch wenn du dies liest, schweige ich für immer, und zurück bleibt ein Bündel voller Abrisse aus meinen Erinnerungen... du kannst sie auf dem Laptop finden, wenn du die Versteckten Ordner einblenden lässt und nach "Vergangenheit" suchst... auch, wenn sie sich erst im Laufe der Zeit offenbaren werden. Jeden Tag ein Stückchen mehr. (Das Kennwort für den Laptop lautet Ve3Z8uE.)
Es kann natürlich auch sein, dass du das gar nicht möchtest, dann vernichte das Ding einfach. Es soll sonst niemand erfahren, denn an anderen wäre es vergeudet.
Ich wollte dir den Abschied nicht noch zusätzlich erschweren, in dem ich dir frühzeitig Dinge sagte, die dich vielleicht nur bestärkt hätten in diesem... zerrissenen Gefühl... dieser 'Zuneigung'. Deswegen schwieg ich, als du nach meinen Gedanken fragtest. Deswegen ließ ich nichts erkennen, denn ich wollte dich nicht unnötig an mich binden. Oder an das, was in mir erwacht ist. Ich glaube, es hätte nur deine Schuldgefühle gemehrt... und sie sind unnötig, so... unnötig.

Aber bevor ich dazu komme... vielleicht darf ich dir eine Bitte stellen. Wenn es dir möglich ist, sorg bitte dafür, dass die Wölfe irgendwo in einem Caern unterkommen- keine Sorge, es sind keine "Laborratten." Ich erhielt sie einst aus verschiedenen Zoos und habe sie mit der Hand aufgezogen, es ist daher leider kaum möglich, sie einfach frei zu lassen. Dazu sind sie zu sehr daran gewöhnt, etwas um sich zu haben, was sowohl als einer unter ihnen als auch auf zwei Beinen laufen kann und ihnen Leittier ist.
Ich wäre dir sehr dankbar dafür.

Ich weiß nicht genau, wie es dir ergehen wird, sobald geschehen ist, was ich lange zuvor bereits erahnte, voraussah. Doch bitte vergiss nicht, was wir besprachen... und worum ich dein Bemühen erbat. Mach diesen Stein am Wegesrand, der ich gewesen bin, nicht zu einem, der dir dein weiteres Wohlergehen verbaut... denn das ist mein innigster Wunsch, ein letzter, für dessen Erfüllung ich bedauerlicherweise nicht Sorge tragen kann, so wie ich es sonst immer zu tun pflegte. Ich wünsche mir für dich, dass es dir gut geht, und dass auch du glücklich sein kannst. Dass es jemanden gibt, der an meiner Statt dafür Sorge tragen kann, denn das ist es, was du selbst verdient hast.
Doch bedenke... du musst dein Glück auch zulassen.

Was mich betrifft... Meine Träume finden nun endlich ihr Ende. Ich glaube, dass mich dein Vater vor eine Wahl stellen wird, zumindest habe ich es so voraus gesehen. Ich hoffe du verstehst die Wahl, die ich dabei treffen muss...
Ich habe mir eine eigene Welt aufgebaut, eine Welt aus Macht, Ideen und Zielen. Nun, wo das letzte Ziel beinahe erreicht ist, werde ich ein wenig haltlos, und hätte ich diese eine Wahl getroffen, die mir ein Weiterleben beschert hätte... wie, wie nur hätte ich weiterleben sollen? Als einer, der plötzlich nichts mehr hat, dem alles fehlt, was ihn einst ausmachte... in dem Wissen, was geschehen ist? Es wäre wie eine Rangdegradierung vom Ältesten zum Welpen und darüber hinaus. Es wäre sicher... ein Neubeginn... doch ich glaube, ich würde ihn nicht bewältigen können. Zu lange schon bin ich dem Tod entgegen gegangen, viel zu lange... und so weit in seine Nähe, dass ich mich seiner erlösenden Umarmung kaum mehr erwehren kann. Doch ich möchte dich nicht unnötig-
Entschuldige. Genau genommen habe ich es bereits getan.

Es gibt nicht mehr viel, dass ich dir sagen, mitteilen sollte... eigentlich habe ich bereits zu viel gesagt.
Du warst nicht lange bei mir, und doch hast du so vieles in mir zum Vorschein gebracht, von dem ich mir niemals gedacht hätte, dass ich jemals jemanden finden würde, der diese Seiten erfahren sollte.
Doch du... du hast es innerhalb kürzester Zeit geschafft, und so durfte ich erfahren, was es bedeutet, dazu bereit zu sein, sich selbst gänzlich für jemanden aufzugeben. Du hast mir in dieser kurzen Zeit unseres eigenartigen Zusammenseins mehr gegeben, als ich jemals hatte oder mir je hätte vorstellen können, und somit hast du mir die Last erleichtert, die ich seit damals mit mir herumtrug, hast sie unwichtig gemacht.
Ich weiß, wie es klingen muss angesichts dieser kurzen Zeit... und angesichts mancher Dinge, die geschehen sind... und ich wage mich auch kaum an dieses große Wort heran, von dem einer wie ich... nun ja. Aber meine Worte sind aufrichtig, Declan. Ich glaube, das ist dir klar geworden.
Dank dir... habe ich gelebt und geliebt.
Oder zumindest eine Ahnung davon erlangt, wie es sein muss.
Dieses Gefühl erfahren zu dürfen hat für so vieles entschädigt, und mir fällt es nun noch leichter als zuvor, der Begegnung mit deinem Vater entgegen zu sehen.
Der Schwarze, dessen Rot das Grün zerbricht.

Wenn ich gehe, dann werde ich dein Bild vor Augen haben, wie du mich angesehen hast, wie es sich anfühlte, von dir berührt zu werden und das erspüren zu können, was du mir vermittelt hast. Und es ist eine gute Erinnerung... die schönste. Und so... kann ich zufrieden gehen, glücklich. Du wolltest, dass ich glücklich bin, und du hast mir solche Momente geschenkt. Ich möchte, dass du meinen Dank dafür annimmst wie ich den deinen annahm, auch wenn ich nicht ganz begriffen habe, wofür eigentlich.
Kein Schmerz, Declan.
Glück.

Es dauert mich, dass wir uns in diesem Leben, unter diesen Umständen begegnet sind, doch vielleicht... treffen wir uns in einem anderen wieder, spricht man unter Garou doch von der Wiedergeburt. Vielleicht... gilt es auch für Blutsgeschwister, die sich zu Garou gemacht haben.

In Liebe, Drake


PS: Die GaZe... ich weiß nicht, ob es so weiterlaufen wird, wie ich es mir vorgestellt, wie ich es geplant habe, da ich nun nicht mehr dafür sorgen kann, dass alles so erledigt wird. Es wird sich wohl einiges ändern, liegt doch vieles in der Schlussphase. Wenn du darin Einsicht haben willst, die neue Leitung kontaktieren möchtest, dann wende dich an meinen Sohn, dessen Nummer ebenso auf dem Laptop zu finden ist. Die Leitung Melions liegt nun zumindest nicht mehr in Harcourts Händen, dafür habe ich zu sorgen gewusst.
Keine Gnade... so hat man mich manchmal unter den Skindancern genannt. Ich war so vielen Feind... auch ihnen."



Er lächelte bei sich, faltete das Papier in akribischer Genauigkeit zusammen und ließ es in einem Umschlag verschwinden. Der Widerschein des Kaminfeuers ließ die stechenden, hellgrünen Augen wild aufglühen und vertiefte die Schatten, die um sie herum tanzten.
Auch ich hatte Träume... auch ich.
Mit diesem Gedanken übergab er den Umschlag dem Feuer und beobachtete zufrieden, wie sich das Papier zu schwärzen und kräuseln begann, als die Flammen es langsam auffraßen.
Drake am 7.1.06 00:14


>> Die Dämmerung hatte das Land bereits fest im Griff, sodass es beinah völlig dunkel war... und der schwarze Hispo auch keinerlei Probleme damit hatte, sich zu verbergen, denn an Beleuchtung hatte man hier draußen gespart- das würde die Wölfe vermutlich auch zu sehr stören, und Coldiron legte keinen Wert darauf hier ein Lichtermeer zu veranstalten. So hatte alles etwas beinah gespenstisches, düsteres an sich... die Umrisse des Anwesens, an dem im Moment nur ein mattes Licht neben dem Tor zu erkennen war, dazu die leise im Wind rauschenden Bäume, die ihre kahlen Äste der hereinbrechenden Nacht entgegen streckten. Der Garou konnte die Wölfe riechen und spüren, die sich nicht unweit von ihm hin und wieder etwas zu regen schienen... doch sie schienen Respekt vor dem großen Hispo zu haben und hielten sich deswegen auf Abstand. Es verging eine Weile, bis man ein sich näherndes und beinah etwas eilig klingendes Motorengeräusch hören konnte, und kurz darauf schwangen auch die beiden Torflügel der Einfahrt auf, sodass die Zufahrt nun von den zwei Lichtkegeln des Wagens in Licht getaucht wurde. Der Wagen fuhr eilends vor das Anwesen hinauf, während sich dahinter das Tor wieder schloss, und kaum stand der Wagen richtig, sprang auch schon ein Mann daraus hervor, der es sichtlich eilig hatte. Er war etwas untersetzt und trug nicht allzu viele Haare auf dem Kopf, hinzu kamen eine Brille und eine Aufmachung, bei der man ihn sich verdammt gut im weißen Kittel vorstellen konnte- "Labor" stand ihm beinahe auf die Stirn geschrieben. Wesseley. Er fummelte hastig an dem Wagenschlüssel herum, zog ihn aus dem Zündschloss und warf dann die Autotür zu, um abzuschließen...

Die Lefzen des Hispos umspielte ein Grinsen, als er dieses Kerlchen sah... wie niedlich, was war denn bitte das für eine Gestalt? Die Umgebung fand er wenigstens angenehm hier, beinahe heimelig, und sollte er wirklich nicht mehr raus kommen, so würde er es hier wenigstens aushalten können... irgendwie. Zumindest besser als in dem Labor oder in den Kasernen. Als er sah, wie der Mann ausstieg, schlich er sich von hinten langsam und beinahe lautlos an, mit geducktem Kopf und gestellten Ohren, während sich beinahe zeitlupenartig eine riesige Pfote vor die andere setzte.
"Wen haben wir denn da...", meinte er irgendwann mitten aus der Dunkelheit heraus, "... doch nicht etwa jemanden, der Mr. Coldiron enttäuscht hat." Er schnalzte mit der Zunge, während zwei glühende Punkte in der Dunkelheit sichtbar wurden, die sich auf den Laborfritzen zu bewegten. "Man enttäuscht Mr. Coldiron nicht, sollten Sie wissen... das hat er gar nicht gern." Es klang beinahe singend. "Und soll ich dir was verraten? Ich auch nicht...!" Mit diesen letzten Worten sprang er auf ihn zu, die Zähne gefletscht und die Rute steil erhoben, um nach ihm zu schnappen und die gewaltigen Kiefer dicht neben seinem Kopf aufeinander knallen zu lassen, sodass dieses Geräusch weit durch den Wald hallte.


Als sich der Hispo näherte, konnte er nur zu gut spüren, dass hier jemand reichlich nervös war... Beständig und leicht gehetzt wirkend vor sich hinmurmelnd schaffte es Wesseley nach ein paar Anläufen, endlich die Schlüssel ins Schloss zu schieben und abzuschließen.
"Verdammt...!"
Er ging leicht hoch und drehte sich dann rasch herum, als er da plötzlich angesprochen wurde und ließ dabei die Schlüssel fallen, die er gerade in seine Manteltasche stecken wollte. Er unterließ es, sich zu bücken und die Dinger wieder aufzuheben, sondern wich lieber etwas zurück, sodass er sich etwas gegen den Wagen drängte und dann so an der Fahrertür stand, mit etwas beschleunigtem Atem und aus leicht geweiteten Augen diese glühenden Punkte betrachtend.
Es war zwar eiskalt, doch ihm lief dennoch eine Schweißperle über die nackte Stirn, und der nachtfarbene Hispo konnte diesen Angstschweiß auch nur zu gut riechen- sowie die durchdringende Furcht fühlen.
"E-e-enttäuscht...? Ich habe gar nicht...", brachte er nur stammelnd hervor, bevor er nur noch eine wirbelnde Masse aus schwarzem Fell sowie aufblitzenden Fängen sehen konnte, denen er dummerweise kaum ausweichen konnte, stand er doch mit dem Rücken zum Auto. In Ermangelung einer besseren Ausweichmöglichkeit (oder anderer Ideen) warf er sich einfach beiseite und ging dabei halb zu Boden- es war eben ungünstig, wenn man den Rückspiegel bei seinem Fluchtversuch mitriss und davon aus dem Gleichgewicht gebracht wurde...

Der Garou fand es zum Schießen, wie sich dieses Männlein da in die Hose schiss... als er schließlich hinfiel, beugte er sich mit tropfenden, gefletschten Fängen zu ihm hinunter und starrte ihm in die Augen.
"Verdammt beschissenes Gefühl, wenn sich das Laborinventar selbständig macht und es keine Knöpfchen mehr gibt, die man drücken kann, hm?" Er grinste ihn an, nicht mehr als ein geiferndes Zähneblecken. "Ihr seid nicht mehr als erbärmlicher Abschaum, die nichts wären ohne ihre tollen Halsbänder... ich könnte dein ach so schlaues Köpfchen zerquetschen wie einen Wurm unter meinen Pranken, aber das steht mir leider nicht zu. Du solltest in nächster Zeit wirklich... etwas emsiger sein mit deiner Arbeit und dir keine Fehler mehr leisten. Denn sonst werde ich mir etwas leisten... nämlich deine Eingeweide in meinem Magen." Er ging noch etwas vor und öffnete dann den Fang, um mit der riesigen Zunge in einer ironischen Geste quer über sein Gesicht zu fahren, so dass reichlich Speichel an ihm hängen blieb... dann biss er ihm in den Oberarm, aus seiner Sicht nur ein Zwicken... eine Aufforderung, loszugehen, unterstrichen durch ein tiefes Grollen.
"Krieche, du schleimscheißender Bastard. Anders wage es nicht, meinem Herren vor die Augen zu treten."


Wesseley fand das seinerseits überhaupt nicht zum Schießen... und hatte sich schnell auf den Rücken gerollt, um sich auf diese Weise etwas von diesem Wolfsmonster fort zu strampeln und so rücklings durch den Schnee zu robben. Er hielt dann allerdings inne, als sich der Riesenschädel zu ihm hinunter beugte und zog den eigenen Kopf leicht zwischen die Schultern, das Gestarre nur aus großen Augen mehr oder minder erwidernd. Bei dem Geschlabber zuckte er etwas zusammen- hatte sich wohl gedacht, er würde nun gleich sein Gesicht verlieren, weil der Hispo großzügig davon abbeißen würde oder ähnliches. Er wollte gerade etwas sagen, als er durch den Biss daran gehindert wurde- bei dem er einen kurzen, erschreckten Laut von sich gab und sich einen Hilferuf gerade noch so verkneifen konnte. Statt dessen jammerte er leise ein wenig vor sich hin, während er, dabei noch immer auf dem Rücken, zu den Stufen zu robben begann, die zum Haustor führten.
"Verdammter Mist... ich wusste es war ein Fehler, hierher zu kommen... jetzt laufen hier auch schon Laborbiester herum, allmählich knallt er völlig durch... bleib mir ja vom Hals, ich hab dir nichts getan...!" Letzteres war lauter gesprochen und an den Hispo gewandt, sehen konnte er im Moment dank der Sabberspuren auf seinen Brillengläsern reichlich wenig.

Der Garou trieb ihn in die richtige Richtung, Wesseley musste nichts sehen... das war gar nicht nötig. Immer wieder zwackte und zwickte er ihm in die Beine und in den Hintern, und wenn er nicht auf den Knien kroch, wie er es von ihm verlangt hatte, dann drehte er ihn mit der prankenartigen Pfote schon richtig herum. Es wirkte ein wenig wie eine Katze, die mit einer halbtoten Maus spielte.
"Ich bin kein Laborbiest, mein Lieber... nicht mehr. Und davor war ich es auch noch nie." Er knurrte den Menschen wieder nur an und schnappte nach vorne. "Quatsch nicht rum!! Schneller!! Mein Herr hat nicht ewig Zeit, du Versager!"


"Au!... Autsch, verdammt noch mal!"
Wesseley protestierte zwar gegen dieses Gezwacke, wurschtelte sich aber- erst einmal auf den Bauch gedreht- so rasch er es zustande brachte voran, um dann irgendwann gegen die unterste Stufe zu stoßen- und auf allen vieren hinauf zu eilen, um sich dann vor der Tür rasch aufzurichten und gegen selbige zu hämmern, dabei immer wieder einen Blick hinter sich werfend. "Hey...! Hey! Aufmachen...!"

Der Hispo sprang grollend an ihm hoch, legte ihm beide Pranken auf die Schultern und drückte ihn wieder hinunter.
"Hab ich dir erlaubt, aufzustehen, zu elender Pissbeutel?? HAB ICH DAS?? Nein!!"


Über 300kg Gewicht hatte Wesseley nichts entgegen zu setzen, sodass er prompt wieder zu Boden ging... in diesem Moment schwang die Tür auf, und der Bedienstete sah gespielt erstaunt auf den abendlichen Besuch hinunter.
"Guten Abend, Mr. Wesseley... dabei hat man Ihnen doch gesagt, sie sollen sich nicht zuviel Zeit da draußen lassen, wegen der Wölfe- unter anderem." Frederic klang freundlich wie immer, und in seinen Worten lag ein sachter Tadel, als würde er mit einem kleinen Kind sprechen, das wieder einmal dumm gewesen war.
"Sie werden bereits in der Wohnhalle erwartet."
Er trat anschließend einfach beiseite und überließ es dem Hispo, wie er Wesseley gewissermaßen... hinein brachte....der einen prächtigen Anblick bot, über und über mit Schnee bekrümelt und mit Speichelfäden auf den Gläsern und quer im Gesicht.

Der Hispo grollte abermals und packte den Menschen einfach mit den Fängen am Nacken, wie einen kleinen Welpen... mühelos hätte er seinen Hals durchtrennen können, doch natürlich achtete er darauf, das nicht zu tun. So schleifte und zerrte er ihn zu Coldiron, ihn dabei unter sich habend, so dass er etwas breitbeinig laufen musste. Er zog Wesseley direkt vor Coldiron, setzte ihn vor ihm ab und ließ den Menschen dann los, um ihn noch einmal anzuknurren und dann auf den Hausherren zuzuschwänzen und sich mit einem Wedeln neben ihn zu setzen... beinahe ein wenig wie 'ich hab dir was feines gefangen, guck mal.'

Coldiron indessen hockte mit überschlagenen Beinen- und Hausschuhen über den nackten Füßen- an der Tafel und spielte etwas mit einem langen Dolch herum. Er sah auf, als der Hispo seinen Fang herein brachte und schien etwas zu schmunzeln.... offenbar zufrieden in der Art und Weise, wie der Garou seinen kleinen "Schockjob" erledigt hatte.
"Sehr gut, wirklich sehr gut", meinte er hörbar erheitert, während er dem Hispo eine Hand in den Nacken legte und mit den Fingern durch das Fell fuhr, um ihn anschließend etwas zu kraulen, den Blick letztlich auf Wesseley richtend, der ihm nun buchstäblich zu Füßen lag.
"Guten Abend, Wes. Ich hoffe, Sie haben Ihre Herfahrt genossen. Ehe ich es vergesse... sie können im Übrigen wieder aufstehen und sich setzen." Er unterstrich seine Aufforderung mit einem Deut der langen Dolchklinge auf einen Platz ihm gegenüber.
Der Angesprochene blieb noch kurz vor Coldirons Füßen liegen, leicht zitternd und sich dann etwas den Nacken reibend... dann richtete er sich langsam und mühsam auf, unterließ es jedoch lieber, sich den Schnee mitten hier drin abzuklopfen und ging ein wenig steif auf den angewiesenen Platz, wo er seine Brille flüchtig putzte, um sich dann dieses seiner Meinung nach reichlich denkwürdige Bild zu geben, das Coldiron mit dem streichelzahmen Hispo abgab. Nebenher schielte er immer wieder nervös in die Richtung des Dolches, dann wieder zu dem Hispo, letztlich wieder zu Coldiron. Schließlich meinte er leise und mit leicht bebender Stimme "Das... das ist einfach... Sie sind völlig verrückt, Simon."
Coldiron warf nur kurz einen beiläufigen Blick auf seine Uhr- zu spät gekommen war Wesseley auch noch.
"So, bin ich das... mag sein. Doch deswegen sind Sie nicht hier. Also reden Sie, ich bin schon sehr gespannt darauf zu erfahren, was nun eigentlich geschehen ist", meinte er reichlich ungerührt und in beinahe freundlicher Ruhe.

Der Hispo sah dem Laborfritzen noch hinterher, aus geschmälerten Augen... bevor er bei dem Gekraule wohlig brummte und die Augen halb schloss. Er hörte zu, was die gestellten Ohren zeigten, und irgendwann legte er den riesigen Schädel auf den Schoß von Coldiron, mit einem leichten Ausatmen, als wäre er vollends zufrieden... es wirkte auch so, als wäre dies tatsächlich der Fall. Er war gespannt, was der Wurzelzwerg zu berichten hatte und lauschte, während das halbe Ohr sich in Wesseleys Richtung drehte.

Dieser schüttelte nur den Kopf... doch was blieb ihm anderes übrig. So atmete er ein paar Male durch und versuchte offenbar, sich irgendwie wieder von dem Schreck zu erholen und seine Nervosität einigermaßen in Zaum zu halten, um irgendwie einen Anfang zu finden. Die Hände auf dem Tisch haltend, deren Finger sich gelegentlich etwas unruhig miteinander verflochten und wieder voneinander abließen, murmelte er nach einer Weile "Der... Psi, der in der neuen Zweigstelle in Moskau stationiert war... er... ich weiß es nicht. Er hatte irgendeinen Gedanken, eine Idee, für deren Umsetzung er... nicht einen Werwolf, sondern ein Geschwister benötigte... so hat er ein schwangeres entführen und zu sich bringen lassen. Ich weiß nicht, was genau in seinem Kopf da vor gegangen ist... aber die Werwölfe haben sich ihr Geschwister wieder geholt, nachdem diese junge Frau allerdings bereits um die Babies erleichtert worden ist, die sie in sich trug..." Er hatte die Brauen etwas zusammen gezogen und sah konzentriert auf den Tisch vor sich.
"Aber das war noch nicht das Schlimmste. Erst wenige Tage später ging es richtig los...."
Coldiron arbeitete sich indessen etwas zu den Ohren des Hispos hoch und begann diese in seiner wohltuenden Art zwischen den Fingern zu massieren, während er eine Braue hob und Wes mit einem unangenehmen Blick bedachte. Er sagte allerdings noch nichts darauf, sondern wies ihn nur an, fort zu fahren, was dieser dann auch tat.
"Sie kamen in der Nacht... es waren die Weißen. Und was für welche... sie haben nichts weiter zurück gelassen als einen dampfenden Krater. Und der Psi... er ist ebenso tot. Dieser Weiße mit dem Silberband konnte ihn im Laufe des Kampfes doch noch töten, soweit reicht die Aufzeichnung, die uns erhalten geblieben ist."
Eine Weile lang Schweigen seitens Coldirons, dann lachte er kurz. "Dieser Narr hat es tatsächlich geschafft, den Big King auf sich aufmerksam zu machen." Er schüttelte etwas den Kopf und fuhr dann fort, während sich auf dem Gesicht Wesseleys nur Unverständnis abzeichnete. "Wissen Sie, was ich mich frage, Wesseley... warum eigentlich habe ich nichts von diesem Zwischenfall erfahren? Lautete Ihre Anweisung nicht, jedes Vorkommnis zu melden?"
Der Angesprochene wetzte ein wenig auf seinem Stuhl herum, noch immer konzentriert auf die Tafel blickend. "Ich... aber es war eigentlich so gut wie gar nichts passiert, als sie sich das Geschwister wieder geholt haben. Ich dachte... ich dachte... Sie... es wäre nicht notwendig... ich meine, ich wusste doch nicht, dass so etwas geschehen würde..."
"Sie dachten sich, es wäre nicht nötig, mich zu informieren, solange 'nichts Schlimmes' geschehen war? Hm. Man könnte meinen, Sie würden irgend etwas befürchten." Er lächelte sacht, zu dem anderen Garouohr wechselnd, indem er kurz über den Wolfskopf zu selbigem hin kraulte.
"B-befürchten...? Nein..." Ein nervöser Blick unter den Brauen hervor.
"Wesseley, wie lange arbeiten Sie schon für mich."
"Es müssen... nun... bereits acht Jahre sein..."
"Sehen Sie. Acht lange Jahre."
Coldiron stand auf und ging zu ihm hinüber, den Dolch noch immer in der einen Hand, während er ihm die andere auf die Schulter legte- eine Berührung, die Wes etwas zusammen zucken ließ, während sich seine Augen wie in Zeitlupe auf die Hand an seiner Schulter legten.
"Acht lange Jahre", meint Coldiron, sich dabei etwas zu ihm hinunter beugend. "...in denen Ihnen niemals etwas geschah. Weil ich zufrieden mit Ihnen gewesen bin."

Der Hispo wurde hellhörig, als es um irgendwelche... "Weißen" ging... das konnten ja nur Fänge gewesen sein. Als Coldiron ihm das Ohr durchkraulte, brummte er wieder anhaltend und wohlig, sodass dieser wohl das bassige Vibrieren an seinen Oberschenkeln spüren konnte. Er schloss die Augen und schien das auch wirklich zu genießen, dabei vergessend, wer er eigentlich war. Es tat... irgendwie einfach viel zu wohl, und eigentlich hatte ihn noch niemals zuvor jemand mit solcher Aufmerksamkeit bedacht, unter Gefährten war das eben doch wieder etwas anderes. Ein Blutsgeschwister....? Die hatten sich wirklich ein.... für einen Moment glühte es leicht in ihm auf, aber nein... er durfte sich nicht aufregen, das an sich heran lassen, er muss versuchen, über alledem zu stehen, sonst würde er alles verderben.
Als Wesseley plötzlich von Albrecht erzählte, öffnete sich schlagartig ein Auge, und er starrte die Laborratte an. Doch nicht lange, denn als Coldiron sich das andere Ohr vornahm schloss sich sein Auge wieder... er schmatzte kurz genüßlich, als er den Ausführungen Wesseleys zuhörte. So, Coldiron kannte also den König... interessant. Naja, wenn er sich ohnehin auskannte in der Materie, wer kannte da nicht Albrecht. Als Coldiron aufstand, nahm er den großen Kopf beinahe enttäuscht fort und sah ihm nach, um sich dann wieder aufrecht hin zu setzen und ihm zuzusehen, was er mit dem Menschen machen würde. Vielleicht ging der auch gleich drauf, und dann gab es Nachtisch...


Coldiron fuhr nach einer kleinen Kunstpause feststellend fort. "So lange hatte ich nichts an Ihrer Arbeit auszusetzen... und nun haben Sie Angst, Sie würden für Ihren Fehler den Kopf verlieren."
Wesseley biss sich nur etwas auf die Unterlippe und schwieg wohlweislich, während sich seine Finger etwas ins Holz des Tisches zu krallen schienen.
"Wissen Sie was, Wesseley...", setzte Coldiron gedehnt fort, während im nächsten Moment der Dolch mit einem deutlichen Tock in die Tischplatte und genau zwischen zwei von Wes' Fingern gerammt wurde, dabei um Haaresbreite die zugehörige Hand verfehlend...
"Sie irren."
Der Beinahe- Glatzkopf war merklich zusammen gezuckt bei dem scharfen tock und sank nun, allerdings noch immer reichlich angespannt, etwas in seinem Stuhl zusammen- sichtlich froh darüber, als Coldiron endlich wieder die Hand von seiner Schulter nahm und den Dolch aus dem Tisch zog, um sich wieder zu entfernen. Er fasste sich etwas an den Kragen und atmete kaum hörbar aus, sich anschließend etwas Schweiß von der Stirn wischend.
"D..dann kann ich also... wieder...?"
Ein beinah väterliches Nicken Coldirons, unterstrichen von einem unmerklichen Lächeln. "Natürlich. Ich habe gehört, was ich hören musste- das Band haben Sie hoffentlich dabei?"
Eifriges Nicken seitens Wes. "Draußen... im Wagen."
"Gut. Dann werde ich Sie noch zur Tür begleiten."
Wesseley stand rasch auf, dabei einen misstrauischen Blick zu dem Hispo werfend und sich dann auf die Haustür zu bewegend- er konnte es offenbar gar nicht begreifen, dass er doch noch mit heiler Haut davon gekommen war, sodass sich ein leicht dümmlich wirkender, aber eindeutig erleichterter Ausdruck auf sein Gesicht stahl.
Coldiron folgte ihm, nachdem er kurz- wohl an den Garou gerichtet- an seine Seite gedeutet hatte.

Dieser sah eigentlich nur mit den Augen zwischen den beiden hin und her, während er das Gespräch stillschweigend verfolgte... er würde es auch niemals wagen, irgendwie dazwischen zu reden. Er musste kurz grinsen, als Coldiron diese Dolchnummer abzog.... irgendwie kam er sich leicht wie in einem Mafiosi-Film vor, aber es erheiterte ihn irgendwie. Dann, als beide hinaus gingen, stand er auf und kam mit kratzenden Klauen zu Coldiron, um an seiner Seite zu gehen. Er hätte das ohnehin getan, selbst ohne diesen Wink...

Und so marschierte die kleine Gruppe einträchtig zur Haustür, die natürlich vom Personal geöffnet wurde, sodass alle drei hinaus konnten. Und während Wesseley auf seinen Wagen zuging, um dort die Schlüssel vom Boden aufzulesen und ihn wieder aufzuschließen, damit er halb darin verschwinden konnte um nach erwähntem Band zu kramen - "Ich habs gleich... Moment" - blieb Coldiron mit dem Hispo in der Tür stehen und legte ihm die Hand auf die Schultern, um ein Stück über seinen Rücken zu streichen.
"Nachdem ich das Band von ihm habe, darfst du dich mit ihm befassen. Narr. Dachte tatsächlich, er würde lebend von hier weg kommen. Ich bezahle weder Versager noch Angsthasen." Er klang amüsiert, während seine Stimme unmerklich gesenkt war- gerade ausreichend, damit Wesseley nicht mehr als ein Murmeln hören würde. Der kam auch wieder aus seinem Wagen gekrochen und hob eine Videokassette in einer Folie hoch. "Haben Sie etwas gesagt... Simon?"
Wie beruhigend es doch war, den Vorgesetzten noch immer mit dem Vornamen ansprechen zu dürfen. So etwas zeugte von einer guten Basis.
"Ich meinte lediglich zu Grimscorn hier, dass heute eine wunderbare Nacht für eine ausgiebige Jagd sei", kam die ruhige Antwort mit einem kurzen Blick in Richtung des Mondes, der in einer schmalen Sichel am Himmel stand.
"Jagd...? Oh. Achso." Immer wieder Blicke in Richtung des Waldrandes werfend, wo zumindest der Garou die Bewegungen der Wölfe ausmachen konnte, kam er die wenigen Stufen wieder hoch, um Coldiron das Band zu übergeben.
"Eine angenehme Nacht noch, Simon."
"Ihnen ebenso, Wesseley. Fahren Sie vorsichtig."
"Natürlich...", meinte Wes noch leicht grinsend, um sich dann abzuwenden und zum Wagen zurück zu kehren.

Der Hispo stellte, da er eine Gänsehaut von der Berührung in seinem Rücken bekam, unmerklich das schwarze Fell auf... dann verzogen sich seine Lefzen zu einem boshaften Grinsen, an dem nicht das geringste gespielt war, während die verschieden farbigen Augen wie zwei Kohlescheite in tiefster Nacht zu glühen begannen. Es gab Dinge, die gefielen ihm einfach... Dinge, die andere als boshaft oder pervers betiteln würden, aber das lag wohl an seinem abnehmenden Vorzeichen. Und wenn er sich daran erinnern könnte, wüsste er, dass es auch früher schon so gewesen war, lediglich nicht so ausgeprägt wie es nun der Fall war. Und was konnte es zudem schöneres geben, als einen dieser verhassten Labormenschen in blutige Fetzen zu reißen... So folgte er Wesseley, langsam, aufrecht, eigentlich nur als würde er ihm hinterher gehen.

Coldiron verschränkte die Arme und lehnte sich gelassen in den Türrahmen, um sich das ganze anzusehen, während Wesseley gerade die Wagentür öffnete und sich dann halb herum drehte... er zog eine nicht ganz zu deutende Miene, als er Declan hinter sich hatte. "Zisch ab, Fußabtreter...."

Der Hispo ging ihm lediglich hinterher, immer noch recht langsam, in trügerischer Ruhe..."Fußabtreter, ts, ts.... also wirklich, Wesseley. Beleidigt man so Untergebene von Mr. Coldiron...? Sie haben sich offensichtlich nichts gemerkt von dem, was ich Ihnen vorhin sagte... erinnern Sie sich noch an die Geschichte mit ihren Eigeweiden in meinem Magen? Heute ist eine gute Nacht... eine gute Nacht, damit Sie von dem Gefühl kosten können... allerdings wird es wohl nur bei dem einen Mal bleiben...bedauerlich..." Er machte einen Satz nach vorne und stellte sich vor die Fahrertür, um grinsend dagegen zu pinkeln.

Wesseley zog die Brauen etwas zusammen und wich einen unmerklichen Schritt zurück.
"Ich gebe nichts auf dein Geschwätz... hey...!" Wohl etwas empört auf das Gepinkel gegen bzw. in seinen Wagen ging kurz ein Ruck durch seinen Körper, als wollte er irgendwie gegen den Hispo angehen, dann jedoch fiel sein Blick auf Coldiron. Seine Stimme hatte einen leicht erhöhten Anklang, als er diesen ansprach.... "Simon...? Was soll das? Würden Sie bitte Ihren... was auch immer wieder zurück rufen....?"
Coldiron lächelte nur. "Er lässt sich nicht gerne beleidigen, müssen Sie wissen. Und diese Nacht... wie ich bereits sagte. Eine herrliche Nacht für eine kleine... Jagd."
Wesseley wich weiter ein paar Schritte zurück, dabei rasch zwischen Coldiron und dem Hispo hin und her blickend... nachdem der Groschen endlich gefallen war. Dumm, sehr dumm. Er konnte nicht einmal versuchen fort zu laufen, denn im Wald hockten die Wölfe. So setzte er nur einen Schritt nach dem anderen zurück und hob abwehrend die Hände, während seine Augen wieder groß und furchterfüllt wurden. "Nein... nein.... das.... können Sie nicht machen...."
Coldiron sah nur kurz auf seine Fingernägel... acht lange Jahre. Und dann wusste er noch nicht einmal, was er so alles "machen konnte"...
Der Fall Wesseley überlebte diese Nacht nicht, die von einem furchteinflößenden Geheul durchdrungen wurde, nachdem die schrillen Schreie verklungen waren. <<
raindancer am 6.1.06 23:56


....
"Setz dich. Du bist sicher nicht hier, um mit mir über meine Eigenheiten zu sprechen." Er zog ihr den Stuhl heraus, ließ sie Platz nehmen und schob sie ein wenig in Richtung Tisch, bevor er anschließend selbst Platz nahm und der eifrige Bedienstete mit einer Flasche Rotwein zurückkehrte. Er befand sie als passend und angemessen, sodass sogleich eingeschenkt wurde.
Sie spielte etwas mit ihrem Glas und meint dann "Da hast du allerdings recht. Ich wollte wissen, wie es mittlerweile mit den Finanzen steht..."
"Schon wieder Geld. Man könnte meinen, du würdest es atmen."
Sie lächelte etwas. "Ich verlange nur, was mir zusteht... ich glaube nicht, dass es bei dir noch auf ein paar Scheine mehr oder weniger ankommt."
"Hm. Mag sein. Deswegen werfe ich es dennoch nicht dem nächstbesten in den Rachen oder beim Fenster hinaus."
Ihr Lächeln schmälerte sich etwas, nachdem sie einen Schluck von dem Wein getrunken hat. "Nun stell dich nicht so an. Es ist immerhin für einen guten Zweck: für mich. Dafür spiele ich weiterhin die Unwissende und stehe zu diversen Vergnügungen bereit, wenn es deinen Vorlieben gerade gelegen kommt."
Er hob bei diesen Worten nur leicht eine Braue und lächelte etwas, während sein Blick sie kurz etwas eindringlicher zu mustern schien. "Das beruhigt mich nun aber... ungemein."

Sie lehnte sich etwas zurück, damit dieser Musterung auch nichts entgehen konnte, während sie mit dem Fuß etwas an seinem Bein entlang strich- und dabei einen Blick aufgesetzt hatte, der vermutlich so manchen Mann um den Verstand bringen würde.
Sein Lächeln gewann daraufhin eine sachte, nicht ganz zu deutende Note... als er dann schließlich aufstand und hinter sie trat, um ihr die Schultern mit scheinbar geübten Fingern etwas zu massieren. "Immer wieder für neue Schandtaten bereit, nicht wahr?" Sein Tonfall hatte sich etwas verändert... hatte sich leicht gesenkt, sodass er noch etwas tiefer klang, anziehender. Vielleicht auch so, als ob die Gedanken bereits irgendwo in einem Schlafzimmer und zugehörigen zweisamen Beschäftigungen verweilen würden.
Sie räkelte sich etwas in dem Griff. "Für dich doch immer...." Kurzes Schweigen. "Doch, sag mir... was ist das eigentlich für ein... Ding... in deinem Arbeitszimmer...?"
Er hob etwas die Brauen. "Arbeitszimmer? Schätzchen..." Er seufzte unmerklich, während er die Massage fortführte. "Sagte ich dir nicht, du solltest das Zimmer in Ruhe lassen, hm?"
"Ja, ich weiß. Aber die Tür war nur angelehnt, und da dachte ich-"
"Und da dachtest du, du wirfst mal einen Blick hinein. Die liebe Neugier, die liebe Neugier..." Er schüttelte etwas den Kopf. "Mädchen. Du hättest in all der Zeit zumindest etwas lernen sollen: man steckt seine Nase nicht unaufgefordert in meine Angelegenheiten, noch setzt man sich über klar gesteckte Grenzen hinweg." Er ließ von ihren Schultern ab, um ihr in einer fließenden Bewegung die eine Hand ans Kinn zu legen, die andere an die Stirn- und ließ es einmal in einer ruckartigen Bewegung gehörig krachen.
"Frauen. Unbelehrbar."
Er setzte sich wieder, als wäre nichts gewesen, während die Frau mit einem trockenen 'tock' nach vorne auf die Tischplatte kippte. Er winkte lediglich den Bediensteten zu sich, der in Respektsabstand bereit gestanden hatte.
"Räum das weg, und dann kannst du das Essen auftragen."
Drake am 26.8.05 11:01


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