Coldiron

Third Gaze

Seductive Secret

Drachengedanken



*~ Moments ~*

*~ Lifeplay - Playlife ~*

*~ Dancing in the rain ~*

{Cale}

Bis auf das Hemd nackt auf dem kühlem, sterilen Bett, ein Piekser in den Arm und schon durchrann ihn ein warmes Strömen. Er versteckte seine Gedanken hinter einem Kerzenstummel, glitt hier und da ab in nie versiegenden Gedankenströmen, Erinnerungen.

Es war ein ruhiger, warmer Abend.
Warm wie der weiche Sand am Strand an der Küste Portugals. Der Blick ins Braun seiner Augen. Keine rede noch davon, dass morgen sein Tag kommen werde. Er machte damals alles so schön für ihn, wirklich schön... doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, fühlte er schon die kühle Hand des Anästhesisten, verpackt in weiße, sterile Latexhandschuhe, die einen eigenartigen Geruch mit sich trugen. Er mochte ihn nicht.
Er freute sich beinahe, dass er keine Schmerzen hatte, schon die ganze Zeit über, in der er hier war. Funken und Sterne, blitzweiß glühend, sprangen vor seinen Augen umher. Und wo gehobelt wird, da fallen auch Sterne. Doch dann die Hände, die seinen innersten Muskel umfassten, ihn routiniert abtasteten. Krankheit. Siechtum. Wie schwach sie doch war, wie schwach, diese Hülle, seit...

Ein kühles Lächeln auf den vollen Lippen, umrahmt von ein paar dunklen Stoppeln, die längst gebändigt gehörten. Das ewige Weiß der kahlen, ermüdenden Krankenhauswände ließ Bilder vor seinen Augen tanzen, herbeigeführt durch eigenen schmerzhaften Zynismus.

Sie hoben es heraus. Er blickte es fasziniert an, so groß war es. Es musste schwer sein und einige mussten mit anfassen. Sie konnten es nicht halten. Als sie es aus ihm heraushoben, verkanteten sie und glitten ab. Das also ist es, dachte er. So also sieht es aus. Der Wind blähte die Segel, leise und schemenhaft das Gesicht seiner verlorenen Vergangenheit.
Ein riesiges rotes, schwabbliges Ding war es. Hier da und da zogen sich schwarze Adern durch das weiche Fleisch. Er hörte wieder das Geräusch einer dumpfen aber festen Trommel; der Takt, der Takt. Er verstummte. Wurde leiser, bis sich die Stille gänzlich ausbreitete.

"Ihnen wurde das Herz amputiert."
"Freut mich", sagte er erstaunlich gelassen. "Was bin ich Ihnen schuldig."
"Natürlich nichts, Mr. Goldfield, es ist doch gerne geschehen! In ihren jungen Jahren das Herz zu verlieren, noch dazu an eine solch hübschen jungen Mann, ist doch ein hohes Glück."
"So?" entglitt es ihm mit einer gehobenen Braue. "Seltsame Ansichten haben Sie. Seltsame Ansichten."


Das Braun seiner Augen brannte noch wie flackerndes Bernsteinfeuer. Es wurde ihm warm zumute, unangenehm warm. Er fragte sich, was sie bloß damit anstellen würden, mit dem unnützen Ding. Die Kerze auf seinem Nachttisch rußte etwas und flackerte, schwarzer Rauch quoll empor und holte ihn aus seinen zynischen Gedanken.
Seine Fingerkuppen tänzelten um den Rand der Narbe auf seiner Brust. Wie rund sie doch war, beinahe perfekt.
Das Braun verglühte, doch auch das würde vergehen, dachte er. Jetzt, wo er ohne Herz war, würde ihm vieles leichter werden.

Doch die Ärzte hatten ihre Arbeit nicht richtig gemacht.
4.1.06 18:14


{Memories}

Ich wei? noch, wie ich ihn suchte und dich das erste Mal sah, als sich dein Blick an mich heftete und mir folgte wie mein eigener Schatten. Ein kurzer, fl?chtiger Moment, und schon waren viele Dinge besiegelt.

Ich wei? noch, wie wir das erste Mal aufeinander prallten in unserer Gier, scheinbar nicht mehr als in zu stillendem Hunger, doch es wiederholte sich. Ich sp?re die rauhe Rinde noch in meinem R?cken, den festen Griff an meiner Kehle, die vorgeschobene Grobheit. Ich kann die Wildheit noch immer riechen, schmecke die herbe Haut.
Und ich sehe noch immer diesen suchenden Ausdruck, die ersten Funken einer Hoffnung, endlich gefunden zu haben... und wie dieser Funke ersterben musste, abgew?rgt und gebrochen wurde.

Du warst es, der mich wieder und wieder anzog wie ein Magnet, wie eine Lampe den Nachtfalter lockt, und wo du mich gelockt hast, da habe ich dir geleuchtet... und umgekehrt.
Es war dieser eine Morgen, dessen Nebel mir dich brachten, dich langsam freigaben, sodass sich deine Silhouette langsam daraus hervor sch?lte, nachdem dein Blick einmal mehr so lange auf mir geruht hatte. Ich lie? mich gerne von diesem Blick betasten, der wie weiche Fingerspitzen aus der Ferne ?ber meine Haut huschte und sie prickeln lie?, sie sanft qu?lte bis du selbst dich endlich zu erkennen gabst und das Tasten des Auges ein Streicheln von H?nden wurde. Beil?ufig nur, gehemmt.
Die Bindung im Hintergrund, die dich zur?ck hielt... und doch warst du selbst verfallen genug, um zu kl?ren, was es zu kl?ren gab, um dein Gewissen zu beruhigen.
Und das Gl?hen in mir zu bes?nftigen und zugleich anzufachen, als du tats?chlich wieder zur?ck kamst.
Es war dieser eine Morgen, an dem ein Teil von mir wusste, was du noch von dir gewiesen hast.

Deine N?he, die Nahrung f?r rascheren Herztakt und stockenden Atem, so gut verborgen hinter dem Gesicht beherrschter Erfahrung. Doch deswegen keinesfalls gemindert.
Der gierige Sturm weicher Lippen aufeinander und ?ber der Haut, das Schaben von Z?hnen, die erregten Bisse. Der weiche Boden, bedeckt von achtlos herab gerissenen Kleidern, l?ngst nur noch st?rende Unn?tigkeit. Langes Haar, sich mischend in einer schwarzen Flut, der Tanz hungernder Zungen und verschlungener Leiber, ineinander vergraben in eintr?chtigem Rhythmus.

Ich wei? noch, du hast nicht oft gelacht, doch wir fanden beieinander immer wieder Gr?nde daf?r. Und wie einfach es war, die Luft zum knistern zu bringen, elektrisierende Blicke zu verhaken, mit geschmeidiger Bewegung endlos zu reizen.
Ich w?re dir gerne mehr gewesen, als ich jemals sein konnte, doch wie ihm meine Seite fehlte, so fehlt mir die seine... und so konnte keiner von uns beiden alles sein, sondern stets nur ein Bruchteil.

Doch ich wollte diese Zeit niemals missen, selbst wenn sie l?ngst vorbei ist, und ich trage die Erinnerung an dich in meinem Herzen und auf meiner Haut.



Auch ich dachte einmal oder gar zweimal, ich h?tte gefunden. Einmal war ich im Irrtum, einmal schied dahin, wof?r ich mich einmal mehr aufgeben wollte, und pl?tzlich gab es keine gemeinsamen Lieder mehr, nur den schmerzenden Nachhall irgendwo in mir.
So s?? manche Erinnerungen sind, so vernichtend sind die anderen, und alle wollen sie gelebt werden.
Und vor allem auch... gemehrt.
Doch jetzt, da ich einmal mehr bitteren Verlust geschmeckt habe, will sich nicht mehr einstellen, was einst vergessen machen konnte. Nicht mehr... auf die alte Weise.
Ich wusste immer, dass es keine Sicherheit gibt, dass keine Bindung die beste Bindung ist. Doch nun lauert eine M?digkeit, der ich mich nicht ?berlassen darf, es schweigt mein Verstand, und mein Herz brennt in einer Sehnsucht nach etwas, wof?r ich niemals geschaffen gewesen bin.

Oder habe ich nur stets... verkannt?
5.1.06 22:52


{Dark}

Irgendwann hielt er es einfach nicht mehr für notwendig, sich so etwas wie einen Plan zurecht zu legen. Es war bequemer, alles auf sich zukommen zu lassen und anstrengend genug, das immer wieder entfachte Wüten in ihm im Zaum zu halten. Nicht ständig mit schäumendem Maul und quälendem, unerfülltem Blutdurst durchzudrehen, bis die nächste "gnädige Seele" dafür sorgte, dass sich das brüllende Rot in lächelndes Rosa verwandelte und die Welt in weicher Watte versank oder alles schwarz wurde.
Es hatte schon so viel an Versagen und Fehlschlägen gegeben, dass er sie einfach nicht mehr planen wollte.
Versagen und Fehler...
Eine Undenkbarkeit, früher. Nun wurden sie hingenommen oder abgestoßen, wurde ihnen der Boden entzogen um ihn zu zerfressen und benagen.

Stolz und Widerwille, maßloser Zorn. Er ließ sich davon dirigieren, sich selbst beobachtend, als wäre sein Geist frei und würde von oben herab diese Hülle betrachten können, die er selbst sein sollte. Er verstand diese Hülle oft nicht.
Stets hatte er alles analysiert, bis in die geringsten Details durchdacht, Gedankengewebe gesponnen, Lehren daraus gezogen. Nur sich selbst hatte er dabei vergessen, sich nie mit sich selbst auseinander gesetzt. Er hatte nach Zielen gesucht ohne zu erkennen, dass er kein Ziel erreichen konnte, ohne sich selbst gefunden zu haben.
Vielleicht war genau dies das Problem. Er hatte eine Vorstellung von sich selbst, und es war ihm unbegreiflich, dass sein Bild von sich in einer anderen Zeit, an die er keine Erinnerung mehr hatte, anders gewesen sein sollte. Er konnte kein anderes Bild akzeptieren. Es wäre der Spiegel, den man zerschlägt, weil man seinen Anblick darin nicht ertragen kann.

Weit davon entfernt, sich über diese Dinge Gedanken zu machen, starrte das einzelne gelbe Auge aus der Ecke hervor zu dem Fenster, hinter dem die Nacht lag. Ein Moment angespannter Ruhe, nur das schwarze Fell knisterte leise im Takt seiner Atemzüge an der Wand auf und ab. Er hatte begonnen, diese Form jener seiner Geburt vorzuziehen... vieles war damit einfacher. Erträglicher. Es war einfacher, zu gehorchen, sich zu beugen und zu erdulden, was sonst nicht erduldet werden wollte. {Rothaar}Es war einfacher, sich selbst zu vergessen, sich zu lösen und wieder den luftigen Beobachterposten einzunehmen.
Gedanken wurden schlichter und verhedderten sich nicht mehr so einfach miteinander.
Gedanken... die immer wieder an die zurück gelassenen Orte zurück kehrten. Wo noch andere hockten. {Rothaars Hand} Andere, die nicht begriffen, dass er nicht wollte, dass man sie schlecht behandelte. Aber das bedeutete noch lange nicht, dass man deswegen aneinander hängen, sich voneinander abhängig machen musste. Er scheute vor dem Gedanken zurück wie einst vor größeren Gewässern, und der dichte Nackenpelz richtete sich unmerklich auf.
{Rothaars Hand, die den gefügig gemachten Körper bearbeitete}
Von dem Beobachtungsposten aus war es schwierig, zu durchdenken, wie man Freiheit erwirken, vielleicht irgendwann abrechnen konnte. Genau genommen war nicht einmal mehr letzteres von dieser Warte aus eine treibende Kraft. Beobachter treiben nicht, sie betrachten nur die Situation-
{Rothaars Hand, die den gefügig gemachten Körper bearbeitete, ihm Dinge vorgaukelte, die nicht waren, ihn wahnsinnig machte, und er konnte nur in den Wahnsinn fallen und das Gefühl nicht mehr loswerden}
Ein leises Grollen, gefolgt von einem entschiedenen Beiseitewischen dieser unerwünschten Erinnerung, die nicht nur in seiner Seele, sondern auch an einer ganz besonderen, fleischlichen Stelle brannte. Mittlerweile war er geübt darin, solche Dinge hinter einen dicken Wall zu schieben, hinter die augenscheinliche Kälte, hinter der sich mittlerweile ein gefährlich schwankendes Gebilde auftürmte. Dort konnte alles vor sich hin gären, im Hintergrund und beinahe gänzlich verdrängt, aber bei weitem nicht so gut vergessen.
Sollten sie nur.

Sich wieder zur Ruhe zwingend lenkte er wieder auf die einfache Schiene von vorhin ein. Dankbar beinahe, dass seine Hülle im Moment Richtung und selbsternannten Nutzen hatte, würde er diesem Nutzen hoffentlich lange genug nachgehen können, bis er von einem anderen abgelöst wurde.
Schutz.
Er würde schützen und kämpfen, vielleicht auch eher fliehen als kämpfen, wenn das dem Schutz dienlich war. Auch, wenn ihm Angriff mehr lag als Rückzug und der Schutz vielleicht etwas... weit hergeholt. Aber das spielte keine Rolle, es befriedigte das vereinfachte Konstrukt seines Ansinnens vorerst. Und es war gar nicht so leicht, diesem Nutzen nachzukommen, denn immer wieder stolperte er über sich selbst.

Er war beinahe gespannt darauf, was diese Hülle noch anstellen würde, wohin und wie weit sie noch gehen konnte.
Und wie sie es tun würde.
5.1.06 23:41


{Dusk}

So vieles war bereits kaputt gegangen.
Dinge, die ihm lieb waren, teils aus Unachtsamkeit, teils durch Ungeschicklichkeit, teils bei Unfällen. Sachen nutzten sich ab, wurden weggeworfen; manchmal half er sogar ein wenig mit, wenn sich seine sarkastische und manchmal masochistische Ader meldete.
Wenn etwas schon angeknackst war, es gänzlich zu zertrümmern.
Was zu Bruch gegangen war, das wurde weggeworfen. Und wo kommt das weggeworfene hin? Auf den Müll, dachte er bei sich. Die Deponie hinter seinem augenscheinlichen Gesicht, die starre, kalte Maske, die er anderen zur Schau stellte. Eine Maske, die nun des öfteren heiter erschien, auch mal lachte, meist spottete und verhohnte. Doch es war und blieb eine Maske.
Auch später unterschied es sich nicht sonderlich. Manche Dinge nützten sich ab, konnten auch durch gnädige Geister oder Totems nicht erneuert werden, auch wenn sie sich Mühe gaben, es so aussehen zu lassen. Vieles in seinen Erinnerungen blieb zurück, doch waren es vielmehr die Empfindungen, die sich Dinge gemerkt hatten. Gedanken an so vieles, was einmal gewesen ist. Da gab es seine Erinnerungsstücke, die ihm blieben. Er konnte sich in seinen Erinnerungen, die er wie Schätze aufbewahrte und manchmal in kurzen, unangenehmen, zuckenden Bilderm zurückkehrten, über schöne Augenblicke freuen. Es waren nicht sehr viele. Aber es gab sie.
Er bedauerte seine Erinnerungslücken, wenn er nicht mehr genau wusste, was denn so schön gewesen war, im Vergangenen. Denn jenes Schöne war endgültig vorüber und ließ sich nicht mehr erfühlen. Alles, was vorüber war, kam nie wieder zurück.

...doch die wilde, blinde Wut tobte ihm hinauf bis in die höchsten umnebelten Gedankenspitzen. Er bekam keine Ruhe. Sein Kopf war eine pulsierende Maschine. Es gab keinen Frieden. Das Blut prallte gegen eine unerschütterlich harte Mauer, von glänzenden, eigenen Klauen gezogen.

Und als er selbst viel später einmal wieder kam, war er ein ganz anderer geworden. Niemand kannte ihn mehr, nicht einmal er selbst.

Kühle Nachtluft, die über kaffeebraune Haut streicht. Feuchtes Gras, einen wohlig frischen Duft verströmend, das fahle Licht einer Strassenlaterne, die Flucht aus dem Krankenhaus noch in den Knochen.
"Ich glaube, ich habe es dir noch nie gesagt, Dusk. Aber ich liebe dich."
Das Gefühl feuchter Augen, brennender Verlust im Inneren, überschattet von den Worten, die ihm mehr bedeutet hatten als alles andere. Eine innige, zärtliche Erwiderung des Gefühls, der Worte.


Wie zuckende Schatten waren sie, die schemenhaften Erinnerungen, umringt von Nebeln, als wolle etwas verhindern, dass er sie erblickt. Und doch wollte er es, wollte alles wissen, alles fühlen. Nicht mehr in die Watte der Amnesie gepackt werden, die keine war.

Ein zuckendes, ein in sich beharrendes wildes Aufbäumen, ein schreckliches, unbeschreibliches inneres Rütteln. Er begriff nicht, was da an ihm riss, was da passierte ... und doch tat er es. Ein Wackeln, Bröckeln, Schieben, danach ein Bersten der Mauern, ein Zusammenbrechen, Zusammenstürzen, begraben allerorts. Riesige Wände, die niemand mehr halten konnte, die herunterkippten, mit der Wucht ihres ganzen Gewichtes erdrückend. Die stummen Schreie, die niemand mehr hörte... der dumpfe Aufprall, ein abruptes Ende.

Nun war er hochgeschreckt, erwacht vom eigenen Schrei, stand schon im Wohnzimmer der Hütte, aufgesprungen aus seinem Bett, noch bevor er richtig bei Sinnen war. Immer noch steckte ein Zipfel seines Traumes in ihm. Bebte die Erde? Es kam ihm so vor, seine Knie waren wacklig, schwammig, beinahe nicht fähig, ihn zu tragen.
Beine, die ihn ohne jedes Zutun zu ihm trugen. Zu dem, was jetzt zählte, nicht Vergangenheit war. Leise öffnete er die Tür, blinzelte durch die nassen Strähnen auf die Erhebungen der Decke, die sich auf dem Bett wölbten. Glitt mit dem Blick zärtlich über das markante Gesicht, die vollen Lippen, die geschlossenen Augen, hinter den Lidern funkelnd grün wie zwei lupenreine Smaragde, die man gegen das Licht hielt.

Er hatte ihm nur zeigen wollen wie es ist, wirklich gemocht zu werden. Ohne Hintergedanken, ohne Gier auf sein Reichtum, ohne das Gefühl es tun zu müssen, um an begehrte Informationen zu kommen.
Er hatte nur geben wollen. Zeigen wollen. Und damit nicht nur in sich selbst Dinge erweckt, die er niemals zuvor kannte. Er bereute es nicht. Würde es nie bereuen. Egal, was die anderen sagten.

Er wusste, dass er seinen Blick spürte, wusste, dass er ihn längst bemerkt hatte. Und doch legte er sich so behutsam und so leise wie möglich unter seine Decke, um den Kopf mit geschlossenen Augen auf seine Schulter zu betten, als gäbe es keinen besseren Ort dafür.
Frieden war es, der ihn überkam. Vielleicht würde er ihn diesmal endlich erhalten bleiben. Doch er wusste, dass er nicht fortgehen würde. In dem Moment, als er seine Hand spürte, die sich sanft auf seinen Unterarm legte.
6.1.06 12:27


>> Die Dämmerung hatte das Land bereits fest im Griff, sodass es beinah völlig dunkel war... und der schwarze Hispo auch keinerlei Probleme damit hatte, sich zu verbergen, denn an Beleuchtung hatte man hier draußen gespart- das würde die Wölfe vermutlich auch zu sehr stören, und Coldiron legte keinen Wert darauf hier ein Lichtermeer zu veranstalten. So hatte alles etwas beinah gespenstisches, düsteres an sich... die Umrisse des Anwesens, an dem im Moment nur ein mattes Licht neben dem Tor zu erkennen war, dazu die leise im Wind rauschenden Bäume, die ihre kahlen Äste der hereinbrechenden Nacht entgegen streckten. Der Garou konnte die Wölfe riechen und spüren, die sich nicht unweit von ihm hin und wieder etwas zu regen schienen... doch sie schienen Respekt vor dem großen Hispo zu haben und hielten sich deswegen auf Abstand. Es verging eine Weile, bis man ein sich näherndes und beinah etwas eilig klingendes Motorengeräusch hören konnte, und kurz darauf schwangen auch die beiden Torflügel der Einfahrt auf, sodass die Zufahrt nun von den zwei Lichtkegeln des Wagens in Licht getaucht wurde. Der Wagen fuhr eilends vor das Anwesen hinauf, während sich dahinter das Tor wieder schloss, und kaum stand der Wagen richtig, sprang auch schon ein Mann daraus hervor, der es sichtlich eilig hatte. Er war etwas untersetzt und trug nicht allzu viele Haare auf dem Kopf, hinzu kamen eine Brille und eine Aufmachung, bei der man ihn sich verdammt gut im weißen Kittel vorstellen konnte- "Labor" stand ihm beinahe auf die Stirn geschrieben. Wesseley. Er fummelte hastig an dem Wagenschlüssel herum, zog ihn aus dem Zündschloss und warf dann die Autotür zu, um abzuschließen...

Die Lefzen des Hispos umspielte ein Grinsen, als er dieses Kerlchen sah... wie niedlich, was war denn bitte das für eine Gestalt? Die Umgebung fand er wenigstens angenehm hier, beinahe heimelig, und sollte er wirklich nicht mehr raus kommen, so würde er es hier wenigstens aushalten können... irgendwie. Zumindest besser als in dem Labor oder in den Kasernen. Als er sah, wie der Mann ausstieg, schlich er sich von hinten langsam und beinahe lautlos an, mit geducktem Kopf und gestellten Ohren, während sich beinahe zeitlupenartig eine riesige Pfote vor die andere setzte.
"Wen haben wir denn da...", meinte er irgendwann mitten aus der Dunkelheit heraus, "... doch nicht etwa jemanden, der Mr. Coldiron enttäuscht hat." Er schnalzte mit der Zunge, während zwei glühende Punkte in der Dunkelheit sichtbar wurden, die sich auf den Laborfritzen zu bewegten. "Man enttäuscht Mr. Coldiron nicht, sollten Sie wissen... das hat er gar nicht gern." Es klang beinahe singend. "Und soll ich dir was verraten? Ich auch nicht...!" Mit diesen letzten Worten sprang er auf ihn zu, die Zähne gefletscht und die Rute steil erhoben, um nach ihm zu schnappen und die gewaltigen Kiefer dicht neben seinem Kopf aufeinander knallen zu lassen, sodass dieses Geräusch weit durch den Wald hallte.


Als sich der Hispo näherte, konnte er nur zu gut spüren, dass hier jemand reichlich nervös war... Beständig und leicht gehetzt wirkend vor sich hinmurmelnd schaffte es Wesseley nach ein paar Anläufen, endlich die Schlüssel ins Schloss zu schieben und abzuschließen.
"Verdammt...!"
Er ging leicht hoch und drehte sich dann rasch herum, als er da plötzlich angesprochen wurde und ließ dabei die Schlüssel fallen, die er gerade in seine Manteltasche stecken wollte. Er unterließ es, sich zu bücken und die Dinger wieder aufzuheben, sondern wich lieber etwas zurück, sodass er sich etwas gegen den Wagen drängte und dann so an der Fahrertür stand, mit etwas beschleunigtem Atem und aus leicht geweiteten Augen diese glühenden Punkte betrachtend.
Es war zwar eiskalt, doch ihm lief dennoch eine Schweißperle über die nackte Stirn, und der nachtfarbene Hispo konnte diesen Angstschweiß auch nur zu gut riechen- sowie die durchdringende Furcht fühlen.
"E-e-enttäuscht...? Ich habe gar nicht...", brachte er nur stammelnd hervor, bevor er nur noch eine wirbelnde Masse aus schwarzem Fell sowie aufblitzenden Fängen sehen konnte, denen er dummerweise kaum ausweichen konnte, stand er doch mit dem Rücken zum Auto. In Ermangelung einer besseren Ausweichmöglichkeit (oder anderer Ideen) warf er sich einfach beiseite und ging dabei halb zu Boden- es war eben ungünstig, wenn man den Rückspiegel bei seinem Fluchtversuch mitriss und davon aus dem Gleichgewicht gebracht wurde...

Der Garou fand es zum Schießen, wie sich dieses Männlein da in die Hose schiss... als er schließlich hinfiel, beugte er sich mit tropfenden, gefletschten Fängen zu ihm hinunter und starrte ihm in die Augen.
"Verdammt beschissenes Gefühl, wenn sich das Laborinventar selbständig macht und es keine Knöpfchen mehr gibt, die man drücken kann, hm?" Er grinste ihn an, nicht mehr als ein geiferndes Zähneblecken. "Ihr seid nicht mehr als erbärmlicher Abschaum, die nichts wären ohne ihre tollen Halsbänder... ich könnte dein ach so schlaues Köpfchen zerquetschen wie einen Wurm unter meinen Pranken, aber das steht mir leider nicht zu. Du solltest in nächster Zeit wirklich... etwas emsiger sein mit deiner Arbeit und dir keine Fehler mehr leisten. Denn sonst werde ich mir etwas leisten... nämlich deine Eingeweide in meinem Magen." Er ging noch etwas vor und öffnete dann den Fang, um mit der riesigen Zunge in einer ironischen Geste quer über sein Gesicht zu fahren, so dass reichlich Speichel an ihm hängen blieb... dann biss er ihm in den Oberarm, aus seiner Sicht nur ein Zwicken... eine Aufforderung, loszugehen, unterstrichen durch ein tiefes Grollen.
"Krieche, du schleimscheißender Bastard. Anders wage es nicht, meinem Herren vor die Augen zu treten."


Wesseley fand das seinerseits überhaupt nicht zum Schießen... und hatte sich schnell auf den Rücken gerollt, um sich auf diese Weise etwas von diesem Wolfsmonster fort zu strampeln und so rücklings durch den Schnee zu robben. Er hielt dann allerdings inne, als sich der Riesenschädel zu ihm hinunter beugte und zog den eigenen Kopf leicht zwischen die Schultern, das Gestarre nur aus großen Augen mehr oder minder erwidernd. Bei dem Geschlabber zuckte er etwas zusammen- hatte sich wohl gedacht, er würde nun gleich sein Gesicht verlieren, weil der Hispo großzügig davon abbeißen würde oder ähnliches. Er wollte gerade etwas sagen, als er durch den Biss daran gehindert wurde- bei dem er einen kurzen, erschreckten Laut von sich gab und sich einen Hilferuf gerade noch so verkneifen konnte. Statt dessen jammerte er leise ein wenig vor sich hin, während er, dabei noch immer auf dem Rücken, zu den Stufen zu robben begann, die zum Haustor führten.
"Verdammter Mist... ich wusste es war ein Fehler, hierher zu kommen... jetzt laufen hier auch schon Laborbiester herum, allmählich knallt er völlig durch... bleib mir ja vom Hals, ich hab dir nichts getan...!" Letzteres war lauter gesprochen und an den Hispo gewandt, sehen konnte er im Moment dank der Sabberspuren auf seinen Brillengläsern reichlich wenig.

Der Garou trieb ihn in die richtige Richtung, Wesseley musste nichts sehen... das war gar nicht nötig. Immer wieder zwackte und zwickte er ihm in die Beine und in den Hintern, und wenn er nicht auf den Knien kroch, wie er es von ihm verlangt hatte, dann drehte er ihn mit der prankenartigen Pfote schon richtig herum. Es wirkte ein wenig wie eine Katze, die mit einer halbtoten Maus spielte.
"Ich bin kein Laborbiest, mein Lieber... nicht mehr. Und davor war ich es auch noch nie." Er knurrte den Menschen wieder nur an und schnappte nach vorne. "Quatsch nicht rum!! Schneller!! Mein Herr hat nicht ewig Zeit, du Versager!"


"Au!... Autsch, verdammt noch mal!"
Wesseley protestierte zwar gegen dieses Gezwacke, wurschtelte sich aber- erst einmal auf den Bauch gedreht- so rasch er es zustande brachte voran, um dann irgendwann gegen die unterste Stufe zu stoßen- und auf allen vieren hinauf zu eilen, um sich dann vor der Tür rasch aufzurichten und gegen selbige zu hämmern, dabei immer wieder einen Blick hinter sich werfend. "Hey...! Hey! Aufmachen...!"

Der Hispo sprang grollend an ihm hoch, legte ihm beide Pranken auf die Schultern und drückte ihn wieder hinunter.
"Hab ich dir erlaubt, aufzustehen, zu elender Pissbeutel?? HAB ICH DAS?? Nein!!"


Über 300kg Gewicht hatte Wesseley nichts entgegen zu setzen, sodass er prompt wieder zu Boden ging... in diesem Moment schwang die Tür auf, und der Bedienstete sah gespielt erstaunt auf den abendlichen Besuch hinunter.
"Guten Abend, Mr. Wesseley... dabei hat man Ihnen doch gesagt, sie sollen sich nicht zuviel Zeit da draußen lassen, wegen der Wölfe- unter anderem." Frederic klang freundlich wie immer, und in seinen Worten lag ein sachter Tadel, als würde er mit einem kleinen Kind sprechen, das wieder einmal dumm gewesen war.
"Sie werden bereits in der Wohnhalle erwartet."
Er trat anschließend einfach beiseite und überließ es dem Hispo, wie er Wesseley gewissermaßen... hinein brachte....der einen prächtigen Anblick bot, über und über mit Schnee bekrümelt und mit Speichelfäden auf den Gläsern und quer im Gesicht.

Der Hispo grollte abermals und packte den Menschen einfach mit den Fängen am Nacken, wie einen kleinen Welpen... mühelos hätte er seinen Hals durchtrennen können, doch natürlich achtete er darauf, das nicht zu tun. So schleifte und zerrte er ihn zu Coldiron, ihn dabei unter sich habend, so dass er etwas breitbeinig laufen musste. Er zog Wesseley direkt vor Coldiron, setzte ihn vor ihm ab und ließ den Menschen dann los, um ihn noch einmal anzuknurren und dann auf den Hausherren zuzuschwänzen und sich mit einem Wedeln neben ihn zu setzen... beinahe ein wenig wie 'ich hab dir was feines gefangen, guck mal.'

Coldiron indessen hockte mit überschlagenen Beinen- und Hausschuhen über den nackten Füßen- an der Tafel und spielte etwas mit einem langen Dolch herum. Er sah auf, als der Hispo seinen Fang herein brachte und schien etwas zu schmunzeln.... offenbar zufrieden in der Art und Weise, wie der Garou seinen kleinen "Schockjob" erledigt hatte.
"Sehr gut, wirklich sehr gut", meinte er hörbar erheitert, während er dem Hispo eine Hand in den Nacken legte und mit den Fingern durch das Fell fuhr, um ihn anschließend etwas zu kraulen, den Blick letztlich auf Wesseley richtend, der ihm nun buchstäblich zu Füßen lag.
"Guten Abend, Wes. Ich hoffe, Sie haben Ihre Herfahrt genossen. Ehe ich es vergesse... sie können im Übrigen wieder aufstehen und sich setzen." Er unterstrich seine Aufforderung mit einem Deut der langen Dolchklinge auf einen Platz ihm gegenüber.
Der Angesprochene blieb noch kurz vor Coldirons Füßen liegen, leicht zitternd und sich dann etwas den Nacken reibend... dann richtete er sich langsam und mühsam auf, unterließ es jedoch lieber, sich den Schnee mitten hier drin abzuklopfen und ging ein wenig steif auf den angewiesenen Platz, wo er seine Brille flüchtig putzte, um sich dann dieses seiner Meinung nach reichlich denkwürdige Bild zu geben, das Coldiron mit dem streichelzahmen Hispo abgab. Nebenher schielte er immer wieder nervös in die Richtung des Dolches, dann wieder zu dem Hispo, letztlich wieder zu Coldiron. Schließlich meinte er leise und mit leicht bebender Stimme "Das... das ist einfach... Sie sind völlig verrückt, Simon."
Coldiron warf nur kurz einen beiläufigen Blick auf seine Uhr- zu spät gekommen war Wesseley auch noch.
"So, bin ich das... mag sein. Doch deswegen sind Sie nicht hier. Also reden Sie, ich bin schon sehr gespannt darauf zu erfahren, was nun eigentlich geschehen ist", meinte er reichlich ungerührt und in beinahe freundlicher Ruhe.

Der Hispo sah dem Laborfritzen noch hinterher, aus geschmälerten Augen... bevor er bei dem Gekraule wohlig brummte und die Augen halb schloss. Er hörte zu, was die gestellten Ohren zeigten, und irgendwann legte er den riesigen Schädel auf den Schoß von Coldiron, mit einem leichten Ausatmen, als wäre er vollends zufrieden... es wirkte auch so, als wäre dies tatsächlich der Fall. Er war gespannt, was der Wurzelzwerg zu berichten hatte und lauschte, während das halbe Ohr sich in Wesseleys Richtung drehte.

Dieser schüttelte nur den Kopf... doch was blieb ihm anderes übrig. So atmete er ein paar Male durch und versuchte offenbar, sich irgendwie wieder von dem Schreck zu erholen und seine Nervosität einigermaßen in Zaum zu halten, um irgendwie einen Anfang zu finden. Die Hände auf dem Tisch haltend, deren Finger sich gelegentlich etwas unruhig miteinander verflochten und wieder voneinander abließen, murmelte er nach einer Weile "Der... Psi, der in der neuen Zweigstelle in Moskau stationiert war... er... ich weiß es nicht. Er hatte irgendeinen Gedanken, eine Idee, für deren Umsetzung er... nicht einen Werwolf, sondern ein Geschwister benötigte... so hat er ein schwangeres entführen und zu sich bringen lassen. Ich weiß nicht, was genau in seinem Kopf da vor gegangen ist... aber die Werwölfe haben sich ihr Geschwister wieder geholt, nachdem diese junge Frau allerdings bereits um die Babies erleichtert worden ist, die sie in sich trug..." Er hatte die Brauen etwas zusammen gezogen und sah konzentriert auf den Tisch vor sich.
"Aber das war noch nicht das Schlimmste. Erst wenige Tage später ging es richtig los...."
Coldiron arbeitete sich indessen etwas zu den Ohren des Hispos hoch und begann diese in seiner wohltuenden Art zwischen den Fingern zu massieren, während er eine Braue hob und Wes mit einem unangenehmen Blick bedachte. Er sagte allerdings noch nichts darauf, sondern wies ihn nur an, fort zu fahren, was dieser dann auch tat.
"Sie kamen in der Nacht... es waren die Weißen. Und was für welche... sie haben nichts weiter zurück gelassen als einen dampfenden Krater. Und der Psi... er ist ebenso tot. Dieser Weiße mit dem Silberband konnte ihn im Laufe des Kampfes doch noch töten, soweit reicht die Aufzeichnung, die uns erhalten geblieben ist."
Eine Weile lang Schweigen seitens Coldirons, dann lachte er kurz. "Dieser Narr hat es tatsächlich geschafft, den Big King auf sich aufmerksam zu machen." Er schüttelte etwas den Kopf und fuhr dann fort, während sich auf dem Gesicht Wesseleys nur Unverständnis abzeichnete. "Wissen Sie, was ich mich frage, Wesseley... warum eigentlich habe ich nichts von diesem Zwischenfall erfahren? Lautete Ihre Anweisung nicht, jedes Vorkommnis zu melden?"
Der Angesprochene wetzte ein wenig auf seinem Stuhl herum, noch immer konzentriert auf die Tafel blickend. "Ich... aber es war eigentlich so gut wie gar nichts passiert, als sie sich das Geschwister wieder geholt haben. Ich dachte... ich dachte... Sie... es wäre nicht notwendig... ich meine, ich wusste doch nicht, dass so etwas geschehen würde..."
"Sie dachten sich, es wäre nicht nötig, mich zu informieren, solange 'nichts Schlimmes' geschehen war? Hm. Man könnte meinen, Sie würden irgend etwas befürchten." Er lächelte sacht, zu dem anderen Garouohr wechselnd, indem er kurz über den Wolfskopf zu selbigem hin kraulte.
"B-befürchten...? Nein..." Ein nervöser Blick unter den Brauen hervor.
"Wesseley, wie lange arbeiten Sie schon für mich."
"Es müssen... nun... bereits acht Jahre sein..."
"Sehen Sie. Acht lange Jahre."
Coldiron stand auf und ging zu ihm hinüber, den Dolch noch immer in der einen Hand, während er ihm die andere auf die Schulter legte- eine Berührung, die Wes etwas zusammen zucken ließ, während sich seine Augen wie in Zeitlupe auf die Hand an seiner Schulter legten.
"Acht lange Jahre", meint Coldiron, sich dabei etwas zu ihm hinunter beugend. "...in denen Ihnen niemals etwas geschah. Weil ich zufrieden mit Ihnen gewesen bin."

Der Hispo wurde hellhörig, als es um irgendwelche... "Weißen" ging... das konnten ja nur Fänge gewesen sein. Als Coldiron ihm das Ohr durchkraulte, brummte er wieder anhaltend und wohlig, sodass dieser wohl das bassige Vibrieren an seinen Oberschenkeln spüren konnte. Er schloss die Augen und schien das auch wirklich zu genießen, dabei vergessend, wer er eigentlich war. Es tat... irgendwie einfach viel zu wohl, und eigentlich hatte ihn noch niemals zuvor jemand mit solcher Aufmerksamkeit bedacht, unter Gefährten war das eben doch wieder etwas anderes. Ein Blutsgeschwister....? Die hatten sich wirklich ein.... für einen Moment glühte es leicht in ihm auf, aber nein... er durfte sich nicht aufregen, das an sich heran lassen, er muss versuchen, über alledem zu stehen, sonst würde er alles verderben.
Als Wesseley plötzlich von Albrecht erzählte, öffnete sich schlagartig ein Auge, und er starrte die Laborratte an. Doch nicht lange, denn als Coldiron sich das andere Ohr vornahm schloss sich sein Auge wieder... er schmatzte kurz genüßlich, als er den Ausführungen Wesseleys zuhörte. So, Coldiron kannte also den König... interessant. Naja, wenn er sich ohnehin auskannte in der Materie, wer kannte da nicht Albrecht. Als Coldiron aufstand, nahm er den großen Kopf beinahe enttäuscht fort und sah ihm nach, um sich dann wieder aufrecht hin zu setzen und ihm zuzusehen, was er mit dem Menschen machen würde. Vielleicht ging der auch gleich drauf, und dann gab es Nachtisch...


Coldiron fuhr nach einer kleinen Kunstpause feststellend fort. "So lange hatte ich nichts an Ihrer Arbeit auszusetzen... und nun haben Sie Angst, Sie würden für Ihren Fehler den Kopf verlieren."
Wesseley biss sich nur etwas auf die Unterlippe und schwieg wohlweislich, während sich seine Finger etwas ins Holz des Tisches zu krallen schienen.
"Wissen Sie was, Wesseley...", setzte Coldiron gedehnt fort, während im nächsten Moment der Dolch mit einem deutlichen Tock in die Tischplatte und genau zwischen zwei von Wes' Fingern gerammt wurde, dabei um Haaresbreite die zugehörige Hand verfehlend...
"Sie irren."
Der Beinahe- Glatzkopf war merklich zusammen gezuckt bei dem scharfen tock und sank nun, allerdings noch immer reichlich angespannt, etwas in seinem Stuhl zusammen- sichtlich froh darüber, als Coldiron endlich wieder die Hand von seiner Schulter nahm und den Dolch aus dem Tisch zog, um sich wieder zu entfernen. Er fasste sich etwas an den Kragen und atmete kaum hörbar aus, sich anschließend etwas Schweiß von der Stirn wischend.
"D..dann kann ich also... wieder...?"
Ein beinah väterliches Nicken Coldirons, unterstrichen von einem unmerklichen Lächeln. "Natürlich. Ich habe gehört, was ich hören musste- das Band haben Sie hoffentlich dabei?"
Eifriges Nicken seitens Wes. "Draußen... im Wagen."
"Gut. Dann werde ich Sie noch zur Tür begleiten."
Wesseley stand rasch auf, dabei einen misstrauischen Blick zu dem Hispo werfend und sich dann auf die Haustür zu bewegend- er konnte es offenbar gar nicht begreifen, dass er doch noch mit heiler Haut davon gekommen war, sodass sich ein leicht dümmlich wirkender, aber eindeutig erleichterter Ausdruck auf sein Gesicht stahl.
Coldiron folgte ihm, nachdem er kurz- wohl an den Garou gerichtet- an seine Seite gedeutet hatte.

Dieser sah eigentlich nur mit den Augen zwischen den beiden hin und her, während er das Gespräch stillschweigend verfolgte... er würde es auch niemals wagen, irgendwie dazwischen zu reden. Er musste kurz grinsen, als Coldiron diese Dolchnummer abzog.... irgendwie kam er sich leicht wie in einem Mafiosi-Film vor, aber es erheiterte ihn irgendwie. Dann, als beide hinaus gingen, stand er auf und kam mit kratzenden Klauen zu Coldiron, um an seiner Seite zu gehen. Er hätte das ohnehin getan, selbst ohne diesen Wink...

Und so marschierte die kleine Gruppe einträchtig zur Haustür, die natürlich vom Personal geöffnet wurde, sodass alle drei hinaus konnten. Und während Wesseley auf seinen Wagen zuging, um dort die Schlüssel vom Boden aufzulesen und ihn wieder aufzuschließen, damit er halb darin verschwinden konnte um nach erwähntem Band zu kramen - "Ich habs gleich... Moment" - blieb Coldiron mit dem Hispo in der Tür stehen und legte ihm die Hand auf die Schultern, um ein Stück über seinen Rücken zu streichen.
"Nachdem ich das Band von ihm habe, darfst du dich mit ihm befassen. Narr. Dachte tatsächlich, er würde lebend von hier weg kommen. Ich bezahle weder Versager noch Angsthasen." Er klang amüsiert, während seine Stimme unmerklich gesenkt war- gerade ausreichend, damit Wesseley nicht mehr als ein Murmeln hören würde. Der kam auch wieder aus seinem Wagen gekrochen und hob eine Videokassette in einer Folie hoch. "Haben Sie etwas gesagt... Simon?"
Wie beruhigend es doch war, den Vorgesetzten noch immer mit dem Vornamen ansprechen zu dürfen. So etwas zeugte von einer guten Basis.
"Ich meinte lediglich zu Grimscorn hier, dass heute eine wunderbare Nacht für eine ausgiebige Jagd sei", kam die ruhige Antwort mit einem kurzen Blick in Richtung des Mondes, der in einer schmalen Sichel am Himmel stand.
"Jagd...? Oh. Achso." Immer wieder Blicke in Richtung des Waldrandes werfend, wo zumindest der Garou die Bewegungen der Wölfe ausmachen konnte, kam er die wenigen Stufen wieder hoch, um Coldiron das Band zu übergeben.
"Eine angenehme Nacht noch, Simon."
"Ihnen ebenso, Wesseley. Fahren Sie vorsichtig."
"Natürlich...", meinte Wes noch leicht grinsend, um sich dann abzuwenden und zum Wagen zurück zu kehren.

Der Hispo stellte, da er eine Gänsehaut von der Berührung in seinem Rücken bekam, unmerklich das schwarze Fell auf... dann verzogen sich seine Lefzen zu einem boshaften Grinsen, an dem nicht das geringste gespielt war, während die verschieden farbigen Augen wie zwei Kohlescheite in tiefster Nacht zu glühen begannen. Es gab Dinge, die gefielen ihm einfach... Dinge, die andere als boshaft oder pervers betiteln würden, aber das lag wohl an seinem abnehmenden Vorzeichen. Und wenn er sich daran erinnern könnte, wüsste er, dass es auch früher schon so gewesen war, lediglich nicht so ausgeprägt wie es nun der Fall war. Und was konnte es zudem schöneres geben, als einen dieser verhassten Labormenschen in blutige Fetzen zu reißen... So folgte er Wesseley, langsam, aufrecht, eigentlich nur als würde er ihm hinterher gehen.

Coldiron verschränkte die Arme und lehnte sich gelassen in den Türrahmen, um sich das ganze anzusehen, während Wesseley gerade die Wagentür öffnete und sich dann halb herum drehte... er zog eine nicht ganz zu deutende Miene, als er Declan hinter sich hatte. "Zisch ab, Fußabtreter...."

Der Hispo ging ihm lediglich hinterher, immer noch recht langsam, in trügerischer Ruhe..."Fußabtreter, ts, ts.... also wirklich, Wesseley. Beleidigt man so Untergebene von Mr. Coldiron...? Sie haben sich offensichtlich nichts gemerkt von dem, was ich Ihnen vorhin sagte... erinnern Sie sich noch an die Geschichte mit ihren Eigeweiden in meinem Magen? Heute ist eine gute Nacht... eine gute Nacht, damit Sie von dem Gefühl kosten können... allerdings wird es wohl nur bei dem einen Mal bleiben...bedauerlich..." Er machte einen Satz nach vorne und stellte sich vor die Fahrertür, um grinsend dagegen zu pinkeln.

Wesseley zog die Brauen etwas zusammen und wich einen unmerklichen Schritt zurück.
"Ich gebe nichts auf dein Geschwätz... hey...!" Wohl etwas empört auf das Gepinkel gegen bzw. in seinen Wagen ging kurz ein Ruck durch seinen Körper, als wollte er irgendwie gegen den Hispo angehen, dann jedoch fiel sein Blick auf Coldiron. Seine Stimme hatte einen leicht erhöhten Anklang, als er diesen ansprach.... "Simon...? Was soll das? Würden Sie bitte Ihren... was auch immer wieder zurück rufen....?"
Coldiron lächelte nur. "Er lässt sich nicht gerne beleidigen, müssen Sie wissen. Und diese Nacht... wie ich bereits sagte. Eine herrliche Nacht für eine kleine... Jagd."
Wesseley wich weiter ein paar Schritte zurück, dabei rasch zwischen Coldiron und dem Hispo hin und her blickend... nachdem der Groschen endlich gefallen war. Dumm, sehr dumm. Er konnte nicht einmal versuchen fort zu laufen, denn im Wald hockten die Wölfe. So setzte er nur einen Schritt nach dem anderen zurück und hob abwehrend die Hände, während seine Augen wieder groß und furchterfüllt wurden. "Nein... nein.... das.... können Sie nicht machen...."
Coldiron sah nur kurz auf seine Fingernägel... acht lange Jahre. Und dann wusste er noch nicht einmal, was er so alles "machen konnte"...
Der Fall Wesseley überlebte diese Nacht nicht, die von einem furchteinflößenden Geheul durchdrungen wurde, nachdem die schrillen Schreie verklungen waren. <<
6.1.06 23:56


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