Coldiron

Third Gaze

Seductive Secret

Drachengedanken



*~ Moments ~*

*~ Lifeplay - Playlife ~*

*~ Dancing in the rain ~*

Lifeplay - Playlife

Der wandernde Wind auf den Wegen
war angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
war mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
berauschte verwirrend die Stimmen
Die Träume, die blasser und blasser
im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
am Wasser der wandernde Wind
Berauschte die sehnenden Leiden,
die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
im Regen, der rieselnd fiel.



Bran am 13.6.06 04:23


{Dark}

Er rannte, innerlich wie äußerlich, und der Takt der raschen Schritte jagte ein ums andere Mal Schmerzen durch Schulter und Lauf, jeder Atemzug spannte die jüngsten roten Andenken an den Flanken. Es war gut so, denn eine Weile lang übertünchten die nichtigen Informationen seines Körpers die ärgerliche Verwirrung in seinem Kopf.
Auf und ab, auf und ab, hin und her. Ein beinahe mechanisches, gewohnheitsmäßiges Auf- und Ablaufen an Zäunen und Gittern, die es im Moment nicht mehr gab, während der zu Boden gerichtete Blick sich nach innen kehrte und für die Außenwelt keinen Sinn mehr übrig hatte.

meist hatte die tür kein gesicht, er hatte sie niemals näher betrachtet, obwohl sie irgendwann begonnen hatte, plötzlich in seinem verstand aufzutauchen, um sich in den metaphern der zahllosen gedankenpfade festzusetzen.
irgendwann war sie einfach aufgeschwungen, und erst zu diesem zeitpunkt hatte er sie erkannt.

nun lief er vor ihr auf und ab, auf und ab, hin und her. ein beinahe mechanisches, gewohnheitsmäßiges auf- und ablaufen an zäunen und gittern, die es im moment nicht mehr gab. hier waren nur die verwitterten, massiven kalten steinwände seines gedächtnisses, das sich irgendwo in undurchdringlichen nebeln verlor- und die tür. dunkel, von schwerem holz und wuchtig, beschlagen und verstärkt, mit einem schmiedeeisernen schloss.
sie klemmte.
er hatte nicht versucht, sie zu öffnen, doch er wusste, sie tat es. sie war hart ins schloss gefallen, damals, und er konnte das knirschende einrasten noch immer hören. ein gewollt fester tritt hatte dafür gesorgt, dass sie nicht noch einmal einfach aufschwingen würde, dass sie eine beinahe unüberwindbare hürde werden würde, sollte doch noch einmal jemand auf den gedanken kommen, sie öffnen zu wollen.

vielleicht lag darin das problem.
nur beinahe unüberwindbar.
sein lauernder blick glitt über das holz, untersuchte es nach verräterischen spuren-
nichts.
scharf fasste er die beschläge und das reichlich mitgenommene schloss ins auge-
nichts.
und doch, etwas stimmte nicht, machte ihn... misstrauisch. dass hinter diesem misstrauen sorge, vielleicht sogar angst lagen, erkannte er nicht, dafür hätte er es näher ergründen müssen.
beinahe fieberhaft huschte der einäugige blick über die mauer, in welche die tür eingelassen war, und langsam erkannte er, was ihn an diesem bild störte. die tür schwang nach innen auf, und nun war sie weiter nach innen gerückt. nur ein kleines stück, aber...
sie hatte sich bewegt.


Die Erkenntnis, dass sich etwas in ihm ändern, umbrechen könnte, gefiel ihm nicht. Der Lastenturm schien etwas zu schwanken, als würde es nicht mehr lange dauern, bis tragende Elemente zu bröckeln begannen... und ihn zum Einsturz brächten. Das ruhelose Wandern in exakt bemessener Linie kam zu einem Ende, als er sich abrupt hinsetzte und nur noch der mächtige und leicht gesenkte Wolfsschädel in unmerklichem Pendeln die Hin- und Herbewegung fortführte. Ein Blinder, der sich selbst nicht lesen konnte. Die Bewegung war... beruhigend, beinahe wie ein sachtes Wiegen und nichts, was er im Moment bewusst wahrnahm, denn der Blick starrte noch immer in die innere Ferne.

er nahm den blick von der tür, als er hörte wie ein nebelfluss an erinnerungen den gang herunter zu wallen begann und ließ sich davon umspielen, verharrte regungslos, während ihn der schwere dunst einhüllte... um die bilder zu betrachten, die auf ihm einher ritten. sein altes zimmer im haus seines vaters, dem haus, das schon lange zu schutt und asche verbrannt war... der unerwartete besuch, der nicht lange brauchte, um nicht nur einzug in dieses haus zu halten, sondern auch einen weg durch das labyrinth seines herzens zu finden. und so hatte sich die tür geöffnet.
seine sicht hatte sich erweitert, und er war bereichert worden... jedoch nicht nur an wahren reichtümern. vieles von dem vermeintlichen seelengold war durchzogen von schwarzen adern der hilflosigkeit, des sieglosen kampfes. manche klumpen waren gänzlich schwarz, wie klebriges pech. so lange hatte der kampf gedauert, für eine weile schien er entschieden zu sein. doch letztlich zeigte sich, dass er gänzlich vergebens gewesen war- er hatte ihn verloren. nichts, was er zu geben imstande gewesen wäre, hatte helfen können, im gegenteil... erst die drohung, all dies zu entziehen, hatte ausreichend aufgerüttelt.
und doch... zu wenig.
die unweigerliche kapitulation vor hilflosigkeit und unvermögen, der verlust dessen, was so viel an bedeutung getragen hatte, hatte einen teil von ihm niedergestreckt und in dem tritt gegen die tür geendet. der schmerz hatte ihn tief erschüttert, und so war er äußerlich wieder vollständig erstarrt, um alles abzuwehren, was noch irgendwie an diesen verwundeten punkt hätte rühren können.

er sah dem nebelfluss und seinen bilderreitern hinterher, als sie vorübergezogen waren und wieder im dunkel des ganges verschwanden... um erneut die tür in den blick zu fassen. er war zu unflexibel in solchen dingen, war nicht dafür gemacht- die ganze umgebung zeigte es. fels und stein, eisen und massives holz. dunkelheit, kälte und nebel, verwinkelte gänge mit zahlreichen sackgassen, wo offenes und abwechslungsreiches land sein sollte.
er wünschte nicht, die tür wäre niemals aufgetaucht... doch nun, da sie da war, musste ihr um ihren zustand fürchten, und es gab so viele widersprüche, so viele... es konnte nicht gutgehen, war zum scheitern verdammt.

als er wieder verschwinden wollte, um der tür den rücken kehren zu können und all den wirren, die dahinter liegen mochten, tauchte unvermutet der wolf auf, der in letzter zeit mehr und mehr von seinen gedanken trug. sein blick war wie immer wissend und hielt- wie immer -einen weg bereit.
der wolf zeigte ihm, er konnte den rest der welt hassen und sich doch für jene öffnen, die seiner seele zum rudel wurden.
wenn er es wollte.


Der schwarze, narbige Lupuskopf kam zur Ruhe und hob sich, um in den schwarzen Himmel über sich zu blicken.
Was er wollte, war ihm entfallen.
raindancer am 11.1.06 16:27


{Dusk}

So vieles war bereits kaputt gegangen.
Dinge, die ihm lieb waren, teils aus Unachtsamkeit, teils durch Ungeschicklichkeit, teils bei Unfällen. Sachen nutzten sich ab, wurden weggeworfen; manchmal half er sogar ein wenig mit, wenn sich seine sarkastische und manchmal masochistische Ader meldete.
Wenn etwas schon angeknackst war, es gänzlich zu zertrümmern.
Was zu Bruch gegangen war, das wurde weggeworfen. Und wo kommt das weggeworfene hin? Auf den Müll, dachte er bei sich. Die Deponie hinter seinem augenscheinlichen Gesicht, die starre, kalte Maske, die er anderen zur Schau stellte. Eine Maske, die nun des öfteren heiter erschien, auch mal lachte, meist spottete und verhohnte. Doch es war und blieb eine Maske.
Auch später unterschied es sich nicht sonderlich. Manche Dinge nützten sich ab, konnten auch durch gnädige Geister oder Totems nicht erneuert werden, auch wenn sie sich Mühe gaben, es so aussehen zu lassen. Vieles in seinen Erinnerungen blieb zurück, doch waren es vielmehr die Empfindungen, die sich Dinge gemerkt hatten. Gedanken an so vieles, was einmal gewesen ist. Da gab es seine Erinnerungsstücke, die ihm blieben. Er konnte sich in seinen Erinnerungen, die er wie Schätze aufbewahrte und manchmal in kurzen, unangenehmen, zuckenden Bilderm zurückkehrten, über schöne Augenblicke freuen. Es waren nicht sehr viele. Aber es gab sie.
Er bedauerte seine Erinnerungslücken, wenn er nicht mehr genau wusste, was denn so schön gewesen war, im Vergangenen. Denn jenes Schöne war endgültig vorüber und ließ sich nicht mehr erfühlen. Alles, was vorüber war, kam nie wieder zurück.

...doch die wilde, blinde Wut tobte ihm hinauf bis in die höchsten umnebelten Gedankenspitzen. Er bekam keine Ruhe. Sein Kopf war eine pulsierende Maschine. Es gab keinen Frieden. Das Blut prallte gegen eine unerschütterlich harte Mauer, von glänzenden, eigenen Klauen gezogen.

Und als er selbst viel später einmal wieder kam, war er ein ganz anderer geworden. Niemand kannte ihn mehr, nicht einmal er selbst.

Kühle Nachtluft, die über kaffeebraune Haut streicht. Feuchtes Gras, einen wohlig frischen Duft verströmend, das fahle Licht einer Strassenlaterne, die Flucht aus dem Krankenhaus noch in den Knochen.
"Ich glaube, ich habe es dir noch nie gesagt, Dusk. Aber ich liebe dich."
Das Gefühl feuchter Augen, brennender Verlust im Inneren, überschattet von den Worten, die ihm mehr bedeutet hatten als alles andere. Eine innige, zärtliche Erwiderung des Gefühls, der Worte.


Wie zuckende Schatten waren sie, die schemenhaften Erinnerungen, umringt von Nebeln, als wolle etwas verhindern, dass er sie erblickt. Und doch wollte er es, wollte alles wissen, alles fühlen. Nicht mehr in die Watte der Amnesie gepackt werden, die keine war.

Ein zuckendes, ein in sich beharrendes wildes Aufbäumen, ein schreckliches, unbeschreibliches inneres Rütteln. Er begriff nicht, was da an ihm riss, was da passierte ... und doch tat er es. Ein Wackeln, Bröckeln, Schieben, danach ein Bersten der Mauern, ein Zusammenbrechen, Zusammenstürzen, begraben allerorts. Riesige Wände, die niemand mehr halten konnte, die herunterkippten, mit der Wucht ihres ganzen Gewichtes erdrückend. Die stummen Schreie, die niemand mehr hörte... der dumpfe Aufprall, ein abruptes Ende.

Nun war er hochgeschreckt, erwacht vom eigenen Schrei, stand schon im Wohnzimmer der Hütte, aufgesprungen aus seinem Bett, noch bevor er richtig bei Sinnen war. Immer noch steckte ein Zipfel seines Traumes in ihm. Bebte die Erde? Es kam ihm so vor, seine Knie waren wacklig, schwammig, beinahe nicht fähig, ihn zu tragen.
Beine, die ihn ohne jedes Zutun zu ihm trugen. Zu dem, was jetzt zählte, nicht Vergangenheit war. Leise öffnete er die Tür, blinzelte durch die nassen Strähnen auf die Erhebungen der Decke, die sich auf dem Bett wölbten. Glitt mit dem Blick zärtlich über das markante Gesicht, die vollen Lippen, die geschlossenen Augen, hinter den Lidern funkelnd grün wie zwei lupenreine Smaragde, die man gegen das Licht hielt.

Er hatte ihm nur zeigen wollen wie es ist, wirklich gemocht zu werden. Ohne Hintergedanken, ohne Gier auf sein Reichtum, ohne das Gefühl es tun zu müssen, um an begehrte Informationen zu kommen.
Er hatte nur geben wollen. Zeigen wollen. Und damit nicht nur in sich selbst Dinge erweckt, die er niemals zuvor kannte. Er bereute es nicht. Würde es nie bereuen. Egal, was die anderen sagten.

Er wusste, dass er seinen Blick spürte, wusste, dass er ihn längst bemerkt hatte. Und doch legte er sich so behutsam und so leise wie möglich unter seine Decke, um den Kopf mit geschlossenen Augen auf seine Schulter zu betten, als gäbe es keinen besseren Ort dafür.
Frieden war es, der ihn überkam. Vielleicht würde er ihn diesmal endlich erhalten bleiben. Doch er wusste, dass er nicht fortgehen würde. In dem Moment, als er seine Hand spürte, die sich sanft auf seinen Unterarm legte.
Dusk am 6.1.06 12:27


{Dark}

Irgendwann hielt er es einfach nicht mehr für notwendig, sich so etwas wie einen Plan zurecht zu legen. Es war bequemer, alles auf sich zukommen zu lassen und anstrengend genug, das immer wieder entfachte Wüten in ihm im Zaum zu halten. Nicht ständig mit schäumendem Maul und quälendem, unerfülltem Blutdurst durchzudrehen, bis die nächste "gnädige Seele" dafür sorgte, dass sich das brüllende Rot in lächelndes Rosa verwandelte und die Welt in weicher Watte versank oder alles schwarz wurde.
Es hatte schon so viel an Versagen und Fehlschlägen gegeben, dass er sie einfach nicht mehr planen wollte.
Versagen und Fehler...
Eine Undenkbarkeit, früher. Nun wurden sie hingenommen oder abgestoßen, wurde ihnen der Boden entzogen um ihn zu zerfressen und benagen.

Stolz und Widerwille, maßloser Zorn. Er ließ sich davon dirigieren, sich selbst beobachtend, als wäre sein Geist frei und würde von oben herab diese Hülle betrachten können, die er selbst sein sollte. Er verstand diese Hülle oft nicht.
Stets hatte er alles analysiert, bis in die geringsten Details durchdacht, Gedankengewebe gesponnen, Lehren daraus gezogen. Nur sich selbst hatte er dabei vergessen, sich nie mit sich selbst auseinander gesetzt. Er hatte nach Zielen gesucht ohne zu erkennen, dass er kein Ziel erreichen konnte, ohne sich selbst gefunden zu haben.
Vielleicht war genau dies das Problem. Er hatte eine Vorstellung von sich selbst, und es war ihm unbegreiflich, dass sein Bild von sich in einer anderen Zeit, an die er keine Erinnerung mehr hatte, anders gewesen sein sollte. Er konnte kein anderes Bild akzeptieren. Es wäre der Spiegel, den man zerschlägt, weil man seinen Anblick darin nicht ertragen kann.

Weit davon entfernt, sich über diese Dinge Gedanken zu machen, starrte das einzelne gelbe Auge aus der Ecke hervor zu dem Fenster, hinter dem die Nacht lag. Ein Moment angespannter Ruhe, nur das schwarze Fell knisterte leise im Takt seiner Atemzüge an der Wand auf und ab. Er hatte begonnen, diese Form jener seiner Geburt vorzuziehen... vieles war damit einfacher. Erträglicher. Es war einfacher, zu gehorchen, sich zu beugen und zu erdulden, was sonst nicht erduldet werden wollte. {Rothaar}Es war einfacher, sich selbst zu vergessen, sich zu lösen und wieder den luftigen Beobachterposten einzunehmen.
Gedanken wurden schlichter und verhedderten sich nicht mehr so einfach miteinander.
Gedanken... die immer wieder an die zurück gelassenen Orte zurück kehrten. Wo noch andere hockten. {Rothaars Hand} Andere, die nicht begriffen, dass er nicht wollte, dass man sie schlecht behandelte. Aber das bedeutete noch lange nicht, dass man deswegen aneinander hängen, sich voneinander abhängig machen musste. Er scheute vor dem Gedanken zurück wie einst vor größeren Gewässern, und der dichte Nackenpelz richtete sich unmerklich auf.
{Rothaars Hand, die den gefügig gemachten Körper bearbeitete}
Von dem Beobachtungsposten aus war es schwierig, zu durchdenken, wie man Freiheit erwirken, vielleicht irgendwann abrechnen konnte. Genau genommen war nicht einmal mehr letzteres von dieser Warte aus eine treibende Kraft. Beobachter treiben nicht, sie betrachten nur die Situation-
{Rothaars Hand, die den gefügig gemachten Körper bearbeitete, ihm Dinge vorgaukelte, die nicht waren, ihn wahnsinnig machte, und er konnte nur in den Wahnsinn fallen und das Gefühl nicht mehr loswerden}
Ein leises Grollen, gefolgt von einem entschiedenen Beiseitewischen dieser unerwünschten Erinnerung, die nicht nur in seiner Seele, sondern auch an einer ganz besonderen, fleischlichen Stelle brannte. Mittlerweile war er geübt darin, solche Dinge hinter einen dicken Wall zu schieben, hinter die augenscheinliche Kälte, hinter der sich mittlerweile ein gefährlich schwankendes Gebilde auftürmte. Dort konnte alles vor sich hin gären, im Hintergrund und beinahe gänzlich verdrängt, aber bei weitem nicht so gut vergessen.
Sollten sie nur.

Sich wieder zur Ruhe zwingend lenkte er wieder auf die einfache Schiene von vorhin ein. Dankbar beinahe, dass seine Hülle im Moment Richtung und selbsternannten Nutzen hatte, würde er diesem Nutzen hoffentlich lange genug nachgehen können, bis er von einem anderen abgelöst wurde.
Schutz.
Er würde schützen und kämpfen, vielleicht auch eher fliehen als kämpfen, wenn das dem Schutz dienlich war. Auch, wenn ihm Angriff mehr lag als Rückzug und der Schutz vielleicht etwas... weit hergeholt. Aber das spielte keine Rolle, es befriedigte das vereinfachte Konstrukt seines Ansinnens vorerst. Und es war gar nicht so leicht, diesem Nutzen nachzukommen, denn immer wieder stolperte er über sich selbst.

Er war beinahe gespannt darauf, was diese Hülle noch anstellen würde, wohin und wie weit sie noch gehen konnte.
Und wie sie es tun würde.
raindancer am 5.1.06 23:41


{Cale}

Bis auf das Hemd nackt auf dem kühlem, sterilen Bett, ein Piekser in den Arm und schon durchrann ihn ein warmes Strömen. Er versteckte seine Gedanken hinter einem Kerzenstummel, glitt hier und da ab in nie versiegenden Gedankenströmen, Erinnerungen.

Es war ein ruhiger, warmer Abend.
Warm wie der weiche Sand am Strand an der Küste Portugals. Der Blick ins Braun seiner Augen. Keine rede noch davon, dass morgen sein Tag kommen werde. Er machte damals alles so schön für ihn, wirklich schön... doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, fühlte er schon die kühle Hand des Anästhesisten, verpackt in weiße, sterile Latexhandschuhe, die einen eigenartigen Geruch mit sich trugen. Er mochte ihn nicht.
Er freute sich beinahe, dass er keine Schmerzen hatte, schon die ganze Zeit über, in der er hier war. Funken und Sterne, blitzweiß glühend, sprangen vor seinen Augen umher. Und wo gehobelt wird, da fallen auch Sterne. Doch dann die Hände, die seinen innersten Muskel umfassten, ihn routiniert abtasteten. Krankheit. Siechtum. Wie schwach sie doch war, wie schwach, diese Hülle, seit...

Ein kühles Lächeln auf den vollen Lippen, umrahmt von ein paar dunklen Stoppeln, die längst gebändigt gehörten. Das ewige Weiß der kahlen, ermüdenden Krankenhauswände ließ Bilder vor seinen Augen tanzen, herbeigeführt durch eigenen schmerzhaften Zynismus.

Sie hoben es heraus. Er blickte es fasziniert an, so groß war es. Es musste schwer sein und einige mussten mit anfassen. Sie konnten es nicht halten. Als sie es aus ihm heraushoben, verkanteten sie und glitten ab. Das also ist es, dachte er. So also sieht es aus. Der Wind blähte die Segel, leise und schemenhaft das Gesicht seiner verlorenen Vergangenheit.
Ein riesiges rotes, schwabbliges Ding war es. Hier da und da zogen sich schwarze Adern durch das weiche Fleisch. Er hörte wieder das Geräusch einer dumpfen aber festen Trommel; der Takt, der Takt. Er verstummte. Wurde leiser, bis sich die Stille gänzlich ausbreitete.

"Ihnen wurde das Herz amputiert."
"Freut mich", sagte er erstaunlich gelassen. "Was bin ich Ihnen schuldig."
"Natürlich nichts, Mr. Goldfield, es ist doch gerne geschehen! In ihren jungen Jahren das Herz zu verlieren, noch dazu an eine solch hübschen jungen Mann, ist doch ein hohes Glück."
"So?" entglitt es ihm mit einer gehobenen Braue. "Seltsame Ansichten haben Sie. Seltsame Ansichten."


Das Braun seiner Augen brannte noch wie flackerndes Bernsteinfeuer. Es wurde ihm warm zumute, unangenehm warm. Er fragte sich, was sie bloß damit anstellen würden, mit dem unnützen Ding. Die Kerze auf seinem Nachttisch rußte etwas und flackerte, schwarzer Rauch quoll empor und holte ihn aus seinen zynischen Gedanken.
Seine Fingerkuppen tänzelten um den Rand der Narbe auf seiner Brust. Wie rund sie doch war, beinahe perfekt.
Das Braun verglühte, doch auch das würde vergehen, dachte er. Jetzt, wo er ohne Herz war, würde ihm vieles leichter werden.

Doch die Ärzte hatten ihre Arbeit nicht richtig gemacht.
Dusk am 4.1.06 18:14


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